Vor zwei Tagen ist ein kleiner Shitstorm auf Facebook losgegangen. Beteiligt waren Bloggerin Dariadaria und Kurier-Kolumnistin Vea Kaiser. Es ging um Veganismus, Vea schreibt einen in ihren Augen total lustigen Kommentar, Dariadaria reagiert darauf scharfzüngig. Gestern verglich Vea Veganer mit Rechten: „Liebe Veganer, ihr habt gewonnen. Ihr könnt besser shitstormen als die Rechten (FPÖ und Friends)“ – da habe ich dann nochmal nicht schlecht gestaunt.

Man kann von beiden Beiträgen halten, was man will. Ich bin der Meinung, dass Vea mit ihrem Text nach Aufmerksamkeit hascht. Im Jahr 2016 Veganer zu kritisieren und sich über sie lustig zu machen, ist echt old school. Vor drei Jahren: Ok. Aber jetzt? Haben wir nicht alle schon genug von  Salat-Witzen und Begriffen wie „Hardcore-Veganern“? Ich persönlich schon. Über Humor kann man streiten, aber in diesem Fall ist der Beitrag ziemlich ausgelutscht, undurchdacht und überheblich formuliert. Wie dem auch sei, ihre Kolumne hat gezeigt, für wie viel Diskussion das Thema Veganismus noch immer sorgt.

Auch ich habe mir auf beiden Seiten fast jeden Kommentar durchgelesen. Klar, viele Veganer argumentieren sehr emotional, aber das ist doch verständlich. Es handelt sich ja auch um eine sehr gefühlsgeladene Angelegenheit. Ich will die Unhöflichkeit mancher Kommentatoren nicht rechtfertigen. Aber viele Nicht-Veganer finden, Veganer treten vor allem online zu „radikal“ auf. Man darf dabei aber nicht außer Acht lassen, wie viele Fleischesser Veganer verspotten. Auch ihre Art zu diskutieren ist nicht in Ordnung. Wenn man jemanden nur belächelt und seinen Lebenstil auf ignoranteste Weise durch den Kakao zieht, was für eine Diskussionskultur kann man sich dann schon erhoffen?  Ich muss an dieser Stelle auch erwähnen, dass ich die Unterteilung von Veganern und Fleischessern nur ungern mache. In diesem Beitrag ist das aber unausweichlich.

Ich persönlich habe mich nicht zuletzt deswegen mit dieser Debatte beschäftigt, weil ich mich die letzten Monate intensiv mit meinem Fleischkonsum auseinandergesetzt habe. Ich bin zu einer relativ einfachen Erkenntnis gekommen: Wir essen viel zu viel Fleisch. Ich meine, man stelle sich das mal vor. Wir essen haufenweise Tiere, nur um unsere Bäucher vollzuschlagen. Nein, ich bin keine Veganerin. Allerdings habe ich meinen Fleischkonsum auf alle zwei Wochen reduziert – wenn überhaupt. Mir vergeht ehrlich gesagt immer öfter der Appetit, wenn ich an Fleisch denke und auch wenn ich fast ausschließlich Freunde habe, die „nichts über ein richtig gutes Steak gehen lassen“, so würde ich mir doch von meinem Umfeld wünschen, intensiver über sein Essverhalten nachzudenken. Ich will jetzt nicht alle Argumente aufzählen, warum die eine oder die andere Lebensweise die einzig richtige ist. Ich möchte euch nur dazu anregen, intensiv über euren Konsum nachzudenken.

So eine Weltverbesserin!

Ich weiß schon, das klingt total langweilig und anstrengend und argh, schon wieder so eine Weltverbesserin, die irgendwas von Nachhaltigkeit labbert. Aber wusstet ihr, dass Massentierhaltung für 15 Prozent aller Klimagasemissionen verantwortlich ist und 70 Prozent des weltweiten (!) Frischwassergebrauchs für die Fleischproduktion drauf gehen? Ich habe die Infos aus dieser Selbstreflexion, die ich jedem ans Herz legen kann. Nein, die Autorin ist auch keine Veganerin. Falls euch das dazu bringt, den Text zu lesen. Als ich die Zahlen gelesen habe, ist mir wieder bewusst geworden, was wir eigentlich anrichten.

Wir schmeißen täglich kiloweise gute Lebensmittel in die Tonne, schlachten massenweise Tiere ab und beliefern uns mit Bergen von exotischen Früchten.  Aber kommen wir wieder zur Massentierhaltung: Zahlreiche Wissenschaftler argumentieren mit einer vegetarischen Ernährungsweise, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, schreibt die Süddeutsche-Autorin. Trotzdem gelten Veganer als radikale, viel zu sensible und unrealistische Weltverbesserer. Schon irgendwie absurd. Da verstehe ich die augenrollenden Reaktionen, wenn ich sage, ich esse kaum mehr Fleisch, wirklich nicht. Ich missioniere niemanden, ich erzähle kaum jemandem davon und trotzdem werde ich mit einer wegwischenden Handbewegung für dämlich abgestempelt, sobald ich auch nur ansatzweise kritisiere, was wir Hühnern, Rindern und Schweinen antun.

Es gibt für mich persönlich zwei Gründe, warum ich kaum mehr Fleisch esse: die Umwelt und die Tiere. Freunde von mir sind derzeit in China und haben mir Fotos von toten Schildkröten und allerlei anderen Tieren auf einem Markt geschickt. Ich war empört, wütend, außer mir. Wer würde so etwas tun? Was ist das für eine brutale Kultur? Bis mir klar wurde: „Wir“ sind kein bisschen besser. Auch auf unsereren Märkten hängt getrocknetes Fleisch. Das chinesische Fest in Yulin, bei dem Tausende Hunde ermordet und verspeist werden, sorgt jährlich für Aufruhr. Das ist natürlich grausam. Aber wieso ist ein Hundleben mehr wert als ein Schweineleben? Bitte kommt mir nicht mit dem Argument, dass Hunde Haus- und Schweine Nutztiere sind. Das ändert nichts an der Tatsache, dass beide Lebewesen sind. Auch wenn wir Menschen sie Haus- bzw. Nutztiere nennen. Diese Bezeichnung haben allein wir ihnen gegeben. Ich kann euch nicht die eine wahre Lösung des Problems sagen und will auch nicht mit dem Finger auf euch zeigen, denn auch ich konsumiere – auch wenn sehr bewusst und wenig – tierische Produkte wie beispielsweise Käse.

Wenn ich ehrlich sein soll, bin ich ziemlich sicher, dass den meisten Fleischessern bewusst ist, dass es eigentlich nicht okay ist, dass Tiere sterben, nur damit sie fünf Minuten Genuss haben. Ganz tief drinnen, das glaube ich wirklich, weiß jeder, dass das nicht in Ordnung ist. Aber die Gemütlichkeit, die Lust und vor allem die Gewohnheit siegen dann doch über das Gewissen. Genau deswegen reagieren viele Fleischesser auch so empfindlich, fast schon aggressiv, auf Veganismus. Aber ich möchte wirklich niemanden bekehren. Ich sage auch nicht, dass wir alle von heute auf morgen auf Fleisch verzichten. Tierverzehr ist leider ein Teil unserer Kultur, das weiß ich. Mir geht es um einen offenen Diskurs.

Zum Schluss möchte ich euch um Folgendes bitten: Macht euch nicht über jene lustig, die diese Disziplin und Empathie zeigen und auf Fleisch verzichten. Seht ein, dass ihr euren Fleischkonsum stark reduzieren müsst. Beschäftigt euch länger mit eurem Essen und denkt zumindest ein wenig an eure Umwelt. Seid euch des Tierleids bewusst.