Hat er Hunger? Mach etwas zu essen! Das Haus ist chaotisch? Räum es auf! Seine Kleidung ist schmutzig? Wasch sie! Er hatte einen langen Tag? Reib seinen Rücken ein und gib ihm Liebe und Aufmerksamkeit! Er ist gestresst? Gib ihm Freiraum und bete für ihn! Es gibt nichts daran auszusetzen, wenn du dich um DEINEN Mann kümmerst!

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Außer natürlich, du glaubst, dass dein Mann sein Leben auch alleine auf die Reihe kriegt und du nicht das Mädchen für alles spielen musst.

Feminismus ist nicht ekelerregend, sondern notwendig

Immer wenn ich Texte wie „Warum mich der Feminismus anekelt“ lese, grüble ich eine Sekunde lang: Brauchen wir Feminismus vielleicht wirklich nicht mehr? Eins muss man der Welt-Journalistin Ronja von Rönne lassen: Gut schreiben kann sie ja. Über den Inhalt kann und sollte man streiten. Selbst wenn ich mir länger darüber Gedanken machen würde, ob Feminismus Schnee von gestern ist, spätestens bei dem „Spoil him“-Nonsens würde mir wieder bitter bewusst werden, wie notwendig Feminismus wirklich ist.

Ich habe besagtes Bild vor ein paar Tagen – wie könnte es anders sein – auf Facebook entdeckt. Ich lese diese überaus intelligenten Worte der Redaktion vor.  Meine Kollegin Melisa wirft in den Raum: „Lassen wir das Frauenbild mal kurz beiseite und denken darüber nach, was das für ein Bild auf Männer wirft.“ Und sie hat recht, sehen wir uns das Ganze mal von der anderen Seite an. Der Mann wirkt ein bisschen wie ein Nichtsnutz, der es nicht schafft, etwas zu kochen.

Geht man nach diesem Foto, ist der Mann stattdessen fürs Arbeiten zuständig und bringt das Geld nach Hause. Um den Haushalt, das Essen und seine Entspannung und Zufriedenheit kümmert sich die Frau. Denn es ist ja ihre Aufgabe, gell! Was sonst. Selbstverwirklichung? Pillepalle, Hauptsache, der Mann ist zufrieden.

Die Frau als Sexobjekt, eh wie immer

Es spricht ja an und für sich nichts gegen die Tatsache, dass sich eine Frau um ihren Partner (oder ihre Partnerin) kümmert und einfach nett ist – ganz im Gegenteil. Aber so zu tun, als wäre es die Aufgabe, ja sogar die Pflicht einer „guten Frau“, zu kochen, die Wäsche zu machen, zu putzen und rund um die Uhr auf sein Wohlbefinden zu achten, dreht mir den Magen um. Und sowas postet eine Frau? Das zeigt, wie präsent diese veralteten Rollenbilder noch immer sind.

Was aber vor allem Brechreiz in mir auslöst, ist der letzte Satz. Jede moderne Frau, die auf völlig veraltete gesellschaftliche To-dos pfeift, scheint also verbittert und einsam zu sein. Ah eh. Auch „die visuelle Unterstützung“ ist, sagen wir,… not so cool. Frau in sexy Unterwäsche, Mann im Business-Look. Classy. Die Frau wird einmal mehr zum Sexobjekt degradiert. Der Mann kümmert sich hingegen um seine Karriere. So wie es sich eben für einen richtigen Mann gehört, oder?

Ich würde mich selbst weder als hypersensibel noch als sehr pingelig bezeichnen, aber das muss echt nicht sein.  Ach ja, wenn wir schon beim Thema Übelkeit sind: Kennt ihr schon dieses Video? Frauen zitieren Donald Trump.

Wenn ich jetzt noch einmal irgendwo lesen muss, dass Feminismus nicht mehr notwendig ist, drehe ich durch. Ich weiß, Donald Trump ist ohnehin ein nicht ernstzunehmender Vollpfosten, nichtsdestotrotz sollten angesichts dieser Sprüche bei allen die Alarmglocken läuten.

Wieso scheint Feminismus das Unwort des Jahrtausends zu sein?

Feminismus ist bei manchen fast schon so negativ behaftet wie „Gutmensch“, kaum fängt jemand davon an, hört man auch schon die ersten genervten Seufzer. „Immer diese Kampflesben“, habe ich nicht nur einmal von Männern gehört. Dabei verstehen die meisten einfach nicht, was Feminismus ist. Der Youtuber und Blogger Michi Buchinger erklärt das in diesem Video auch ganz gut.

Manche werden jetzt sagen, dass man Kleinigkeiten nicht so viel Bedeutung schenken sollte. Aber genau diese Kleinigkeiten machen es aus. Ein Bekannter meinte mal: „Nehmen wir an, ich habe die Möglichkeit, gegen die beste Profifußballerin der Welt zu spielen. Ich würde sie trotzdem immer schlagen, einfach weil ich ein Mann bin und wir Fußball besser beherrschen.“ Krass, oder? So eine verzerrte Selbsteinschätzung tut schon fast weh. Ein User hat uns kürzlich auf Facebook mit einem Stern und diesen Worten bewertet: „Feminismus hat auch seine Nachteile. Vielleicht sollte wieder mal Realität bei euch einkehren. Schade, irgendwann mal wieder.“ Ich würde gerne wissen, von welchen Nachteilen er da konkret spricht. Aber das alleine das zeigt, wie viel noch falsch läuft – und hierbei handelt es sich um die „harmloseren“ Angelegenheiten. Bitte kommt mir also nicht mit Sprüchen, dass niemand mehr Feminismus braucht.