Ich weiß, ich weiß: Die Versuchung ist groß. Alles spricht dafür, einfach mal ein Arschloch zu sein: Anonymität, Schnelllebigkeit und das starke Verlangen, Dampf abzulassen.

Ok, in Wahrheit ist das Blödsinn. Manche wissen es vielleicht schon, ich bin Online-Chefin bei dem Wiener Stadt Magazin BIBER. Das heißt in anderen Worten, dass ich täglich mit irgendwelchen Internettrollen konfrontiert bin, die es nicht auf die Reihe kriegen, sachlich zu argumentieren. Ich spreche jetzt gar nicht erst von Objektivität, denn wenn es um heikle Themen geht, sind hitzige Gemüter eigentlich normal. Auch auf meiner eigenen Facebook-Seite gibt es vor allem bei Artikeln über die FPÖ und Hofer teilweise Kommentare, bei denen ich nicht weiß, ob ich sie ignorieren, melden oder belächeln soll. Weil ich mir gut vorstellen kann, dass es anderen ähnlich geht, habe ich mir diesen Artikel überlegt. Hier eine kleine Anleitung für all jene, die es bisher nicht geschafft haben, auch im Internet Manieren zu beweisen oder an all jene, die nicht wissen, wie sie mit ungehobelten Trollen umgehen sollen.

1. Rechtschreib- und Grammatikfehler ignorieren

Es ist nicht leicht und auch meine innere Rechtschreib-Polizei schlägt Alarm, aber es bringt nichts, auf Fehler hinzuweisen. Wieso bringt es nichts? Weil du damit nicht bezwecken wirst, dass jemand den Duden aufschlägt und sich mit seinen Defiziten beschäftigt. Stattdessen wird die Diskussion auf ein anderes Level gehoben und du stehst schnell als Klugscheißer da. Auch wenn du eigentlich im Recht bist. Mir ist schon klar, dass es schwer fällt, mit Leuten zu diskutieren, die gegen Flüchtlinge hetzen und gleichzeitig nicht der deutschen Sprache mächtig sind, aber hier lautet die Devise: stark bleiben und ignorieren.

kommentar

So solltet ihr es nicht machen. Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, shame on me. Weiter unten seht ihr, auf welches Kommentar ich geantwortet habe.

 

2. Nicht auf Beleidigungen einlassen

Ich kann ein Lied davon singen, wie es ist, im Internet beschimpft zu werden. Sei es, weil ich die FPÖ kritisiere, Flüchtlinge unterstütze oder aber auf Probleme in der Balkan-Community hinweise. Menschen, die keine Manieren haben, gibt es überall. Sobald du den Fehler begehst und auf Beschimpfungen eingehst, hast du quasi schon verloren. Wieso? Weil du dich auf ihr Niveau begeben hast und das bringt einfach nichts. In meinem Fall sind es meistens rechte Pöbel, die im Internet goschert sind. Aber ich kenne auch Wiener, die politisch gesehen eine ähnliche Meinung haben wie ich und gleichzeitig aber ziemlich überheblich und selbstgefällig über, sagen wir mal, einfacher gestrickte Personen herziehen. Natürlich verwenden sie dann keine Worte wie „verdreckte Hure“ oder „peinliches Opfer“ (ist mir alles schon passiert), aber auch weniger niveaulose Beleidigungen müssen nicht unbedingt sein.

Dieser Herr zeigt mit seinem Kommentar, was im Internet alles falsch läuft.

Dieser Herr zeigt mit seinem Kommentar, was im Internet alles falsch läuft.

3. Mit gutem Beispiel vorangehen

Wechseln wir die Seiten. Du bist richtig genervt von irgendeinem Verwandten, der mal wieder auf eine HC-Lüge reingefallen ist und übel über „Asylanten“ herzieht? Du würdest ihm am liebsten sagen, was er für ein Vollidiot ist und, dass er besser seine Klappe halten sollte, bevor er so einen Unsinn verzapft? Lass es bleiben. Es bringt nichts. Denk immer daran, dass du mit gutem Beispiel vorangehen solltest. Wenn du unhöflich bist, kannst du nicht erwarten, dass dir andere mit Respekt gegenübertreten. Geig ihm deine Meinung, aber bleib dabei höflich. Nur Leute ohne wirkliche Argumente müssen untergriffig werden, das hast du sicher nicht nötig. Ich weiß, dass man manchmal widerstehen muss, nicht total sarkastisch zu sein, aber in der Regel unterstützt das die Diskussion auch nicht. Möglicherweise versteht dein virtuelles Gegenüber deinen Sarkasmus nicht oder fühlt sich nicht ernstgenommen. Es ist schwer, manche Menschen ernst zu nehmen, aber ich kann mich nur wiederholen: Jeder hat es verdient, mit Respekt behandelt und kritisiert zu werden. Vor allem wenn man in der Öffentlichkeit unterwegs ist. Ich muss aber ehrlicherweise sagen, dass ich manche Kommentar nicht unkommentiert lassen kann. Meistens belustigen sie mich und das gebe ich den Leuten dann auch zu verstehen.

Das war so ein Fall. Da musste ich mich einfach lustig machen.

Das war so ein Fall. Da musste ich mich einfach lustig machen.

4. Mit dem Mund küsst du deine Mutter?

Versetz‘ dich für einen Moment in die Person, die du gerade beleidigen willst. Noch besser: Stell dir vor, jemand redet so mit deiner Mutter oder deinem Kind. Würdest du das wollen? Ich nehme jetzt bewusst jemanden als Beispiel, den du sehr gerne hast, denn wenn ich an den Herren weiter oben denke, der dieses Kommentar verfasst hat, so würde es ihm wahrscheinlich nicht so nahe gehen, wenn ich ihn persönlich beschimpfe. Oder stell dir vor, deine Mutter würde sehen, dass du eine junge Frau als Hure bezeichnest, ohne sie auch nur annähernd zu kennen. Dafür würdest du dich schämen, oder nicht?

Egal aus welcher Bildungsschicht man kommt, ob man Migrationshintergrund hat oder nicht, ob man frustriert ist oder einfach ziemlich genervt: Keiner von uns hat das Recht, andere zu beleidigen. Auch nicht im Internet. Ich weiß nicht, wie manche auf so etwas kommen, echt nicht. Die Autorin Stefanie Sargnagel ist übrigens viel schlimmer davon betroffen als ich. Folgt ihr auf Facebook, da könnt ihr sehen, welche Dimensionen solche Beschimpfungen annehmen können. Ich feiere sie deswegen, weil sie das Ganze mit Humor nimmt und überhaupt einfach einer der lustigsten „FB-Stars“ ist, dem ich folge.

Stefanie Sargnagel

5. Besorg dir eine dicke Haut

Falls du es dir zum Hobby gemacht hast, mit anderen FB-Usern zu diskutieren, musst du dir eine dicke Haut besorgen. Ich arbeite mittlerweile sechs Jahre im Journalismus und ich kann mich noch ganz genau daran erinnern, wie sich der erste Shitstorm angefühlt hat, den ich ausgelöst habe. Ich bin ja grundsätzlich eine sehr selbstbewusste Person, aber manche Kommentare haben mich echt fertig gemacht. Damals habe ich  gelernt: Man muss drüber stehen. Es bringt nichts, wenn man sich darüber den Kopf zerbricht, was jemand über dich sagt. Das gilt für das echte Leben und für das Internet. Ich stehe hinter jedem meiner Texte und ähnlich sollte man es bei FB-Kommentaren machen. Bist du überzeugt davon, was du geschrieben hast? Hinterfragst du Dinge kritisch und informierst dich eigenständig? Dann sind die ganzen Beleidigungen, die Internettrolle von sich geben, völlig egal.