„Oooh, sexy Lady“, „Schau dir diesen Arsch an!“ oder ein simples Hinterherpfeifen – jede kennt’s, kaum eine kann es leiden.

Mir fallen auf Anhieb fünf verschiedene Momente in der letzten Woche (!) ein, in denen ich mich wegen solcher oder ähnlicher Kommentare von Männern unwohl gefühlt habe. Jedes Mal poppte die gleiche Frage auf: Wie gehe ich mit so dämlichen Sprüchen um? Meistens ignoriere ich die Sprücheklopfer, manchmal sind sie so aufdringlich, dass es schwerfällt, darüber hinwegzusehen. Hier ein kleiner Auszug:

Als ich am Samstag auf der Demo der Identitären war und nachher zur Gegendemo gewechselt bin, wurde ich tatsächlich zweimal angemacht. Einmal waren es zwei russischsprechende Kerle, die mich die ganze Zeit beim Arbeiten gestört und mir von der Seite irgendetwas à la „Mädchen, du Süße, dreh dich um“ zugeflüstert haben. Bis mir dann der Kragen geplatzt ist und ich sie zurechtgewiesen habe: „Jungs, wenn ihr etwas zu sagen habt, dann bitte jetzt hier in die Kamera. Ich bin gerade bei der Arbeit und ihr stört ziemlich.“ Zum Glück waren sie dann so perplex, dass sie mich in Ruhe gelassen haben. Keine Stunde später braten mich zwei Typen an und sagen in gebrochenem Deutsch: „Schöne Mädchen, schaust du, schaust du“. Ich muss zugeben, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon etwas gereizt war, deswegen habe ich ziemlich forsch und laut: „Nein, einfach nein!“ geantwortet.

Letzte Woche war ich im Theater und bin abends mit der U6 nach Hause gefahren. Schon beim Einsteigen habe ich einen etwa 40-jährigen Mann gesehen, der Probleme mit dem Gleichgewicht hatte und habe inständig gehofft, dass er sich nicht zu mir setzt. Was ist passiert? Er hat sich neben mir platziert und mir in den Schritt und auf die Beine geglotzt. Völlig unverfroren, er hat einfach vor sich hingestarrt und ignoriert, dass ich ihn ganz bewusst dabei beobachte. Aber hey, shame on me, wieso trage ich auch lockere, kurze Hosen! Ich bin daraufhin mit viel Drama aufgestanden und habe ihm zu verstehen gegeben, dass ich mich seinetwegen weggesetzt habe. Es könnte mir nicht egaler sein, dass er angetrunken war, das rechtfertigt rein gar nichts.

Vor einigen Wochen war ich mit Freunden in einem Wiener Steakhouse, neben uns ist ein Gruppe von jungen Männern gesessen. Einer von ihnen hat mich den ganzen Abend über beobachtet. Beim Reden, beim Bestellen, beim Essen, beim Aufs-Klo-Gehen. Ich habe ihn bewusst immer wieder „erwischt“, wie er mich anglotzt, das war ihm aber egal. Sein Blick war übrigens ziemlich eindeutig, das war jetzt kein interessiertes Ansehen, eher ein überaus aufdringliches Starren. Das ging so weiter, bis ich genug hatte und ihn höflich gefragt habe, ob er bitte aufhören könnte, mich die ganze Zeit zu beobachten. Seine Reaktion war absehbar: arrogant und abfällig. Aber mein Ziel war erreicht, er hat mich keines Blickes mehr gewürdigt und ist dann auch ziemlich bald abgehauen.

Manchmal reichen also auch schon diese widerwärtigen Blicke, die einen ausziehen und Brechreiz in mir auslösen. Kürzlich habe ich mitbekommen, wie ein etwa 50-Jähriger mit Bierbauch einer vielleicht 16-Jährigen nachgeglotzt hat und dabei so dämlich gegrinst hat, dass ich um ein Haar hingegangen wäre und ihn gefragt hätte, ob er sich nicht schämt. Ein Freund von mir hat das einmal gemacht und dafür feiere ich ihn. Ich bin jemand mit einer gesunden Portion Selbstvertrauen und die meiste Zeit überspiele ich dumme Anmachen. Darauf habe ich aber ehrlich gesagt keine Lust mehr! Es ist jedes Mal aufs Neue eine unendlich mühsame Angelegenheit, die nicht sein muss. So schwer kann das doch nicht zu verstehen sein. Ich meine, was glaubt dieser Mann denn, was ich machen werde, wenn er mir nachpfeift? Mich umdrehen und ihm in die Arme fallen?

Ja, es geht noch viel schlimmer

Ich weiß schon, dass es weitaus schlimmere Dinge gibt als blöde Sprüche und Blicke. Aber heißt das, dass ich sie stillschweigend hinnehmen muss, obwohl sie mir sehr unangenehm sind? Nein. Wenn eine Gruppe von Männern dumme Sprüche von sich gibt, ist das erniedrigend. In welcher Welt sollte ich das einfach akzeptieren? Muss ich für immer die Straßenseite wechseln, wenn mir Männer entgegenkommen, um mir niveauloses Gelaber zu ersparen?  Es ist gar nicht so leicht, immer die Taffe zu spielen. Aber was bleibt mir anderes übrig?

Ich war glücklicherweise nur einmal in der Situation, in der mich jemand körperlich belästigt hat und das war mehr oder weniger harmlos. Ich war damals an einem Samstag unterwegs zur Arbeit, es war circa neun Uhr morgens, und drei Jungs haben sich neben mich gesetzt. Einer von ihnen hat seine Hand auf mein Knie gelegt und Anstalten gemacht, weiter hoch zu gehen. Ich habe direkt losgeschrien und mit der Polizei gedroht – das hat sie verschreckt.

Bloß nicht einschüchtern lassen!

Es ist wirklich schräg, dass ich darüber schreibe, wie wir Frauen damit umgehen sollen, dass Männer keine Manieren haben. Viel eher sollte es so sein, dass Männer einfach keine erniedrigenden Kommentare von sich geben und wir auch mit einem noch so kurzen Rock die Straße entlang spazieren können, ohne dumm angemacht zu werden. Die Realität ist aber eine andere. Was meiner Meinung nichts bringt: In die Opferrolle schlüpfen. Mädels, seid selbstbewusst! Lasst euch nicht einschüchtern. Klar, man muss schon abwägen können, ob es sich um eine gefährliche Situation handelt und wie man am besten reagiert. Grundsätzlich gilt aber: Angst zu haben, ist auch nicht die richtige Lösung. Wenn dir etwas nicht passt und es dich in eine unangenehme Lage versetzt, gib das jedem klar zu verstehen. Wenn du das nächste Mal die Treppe nimmst und dir ein Typ ungut kommt, kontere einfach! Hinnehmen muss man solche Aussagen ganz bestimmt nicht.

Bitte nicht die klassische Leier

Und an alle Neunmalklugen, die jetzt sagen, dass „wir Frauen nicht wissen was wir wollen, weil wir einerseits angesprochen werden wollen und andererseits zicken“, lasst mich euch kurz die Welt erklären: Klar kann jeder jeden und jede jederzeit ansprechen. Aber wenn ihr nicht das Gefühl dafür habt, ob etwas vielleicht abwertend oder gar erniedrigend ist, solltet ihr euch schleunigst besser informieren. Wenn jemand auf mich zukommt und mir sagt, ich habe schöne Augen, dann bedanke ich mich freundlich und das war’s. Also, kurz gesagt: Ansprechen, ja. Zu nahe kommen, nein. So einfach ist das Ganze.