„Mit diesem Outfit verzauberst du ihn“, „in sieben Tagen zur perfekten Figur“, „Mit diesem Make Up bist du unwiderstehlich“ – wegen solcher Schlagzeilen konsumiere ich keine Frauenmagazine mehr. Es kotzt mich an, dass wir Frauen uns über unser Aussehen definieren müssen. Bin ich schön genug? Muss ich abnehmen? Sehe ich in der Hose fett aus? Sind meine Brüste zu klein? Fragen, die ich mir den Großteil der Zeit nicht stelle. Das erlaubt mir mein Ego nicht. Nein, ich werde mich selbst nicht auf meinen Körper reduzieren. Aber dann gibt es Tage wie heute. Tage, an denen ich mir am liebsten jede dieser Zeitungen kaufen wollen würde, nur um eins herauszufinden: Wie schaffe ich es, schön genug zu sein?

No fishing for compliments

Das soll kein Beitrag werden, in dem ich um Komplimente bettle, wirklich nicht. Ich möchte nicht, dass mir jemand schreibt, dass ich wunderschön bin. Ich möchte es nicht, weil es mir kurzfristig vielleicht ein gutes Gefühl geben würde, langfristig gesehen kann das aber nicht die Lösung sein. Ich will keine lieben Worte in Bezug auf mein Aussehen bekommen, denn ich will nicht davon abhängig sein, ob mich jemand hübsch findet. Ich möchte mich unabhängig von meinem Umfeld schön finden – so wie ich bin. Ich möchte keine Selfies auf Instagram posten müssen, um glücklich mit meinem Erscheinungsbild zu sein.

Mehr als meine heutigen Selbstzweifel belastet mich die Tatsache, dass ich mich selbst, obwohl ich doch so viele andere Stärken habe, an Tagen wie diesen so auf mein Aussehen fixiere. Und auch wenn ich vergleichsweise verschont geblieben bin von Unzufriedenheit und Frust und meistens überaus ausgeglichen bin, so erwische ich mich doch von Zeit zu Zeit dabei, wie ich meinen Bauch inspiziere und mir denke, dass es mal wieder Zeit fürs Fitnesscenter wird. Nicht, weil es gesund und wichtig ist, sich körperlich zu betätigen, sondern um einen flacheren Bauch zu haben.

Ich weiß, ich werde die Antwort auf meine oben gestellte Frage in keinem Magazin der Welt finden. Mir kann auch keine Freundin dabei helfen, in dem sie immer wieder betont, wie hübsch sie mich findet. Auch mein Freund, der mir täglich Komplimente macht, wird das nicht schaffen. Und auch wenn ich gelegentlich Geld mit Modeln verdiene, wird mir das nicht mit meiner Unsicherheit helfen. Dieses Gefühl, nach dem ich suche, ist nichts, das ich mir von außen holen kann. Ich bin mir bewusst, wie mich mein Umfeld wahrnimmt. Ich weiß, dass viele denken, dass ich ein schönes Lachen und schöne blaue Augen habe. Das sage ich mit kein bisschen Arroganz, es ist eher die Erfahrungshaltung einer 25-Jährigen. Aber nur weil mich andere hübsch finden, heißt das nicht, dass ich bei jedem Spiegel stehen bleibe und mein Aussehen bewundere, ganz im Gegenteil.

Das Schlimmste an diesem Gemütszustand ist, dass ich mich für ein ganz anderes Schönheitsbild einsetze. Ich betone immer wieder, dass es nicht nur um Äußerlichkeiten geht. Ich hole junge Frauen vor die Kamera, die keine Models sind, um klar zu machen, dass jeder Mensch etwas Besonderes ist. All das fühlt sich heute so scheinheilig an.  Heute, an einem dieser Tage, an denen ich mich besonders dick fühle. Das sind diese Tage, an denen kein einziges Outfit passt, auch wenn ich mich sonst immer wohl darin fühle. Meine Haare sehen aus wie ein Vogelnest, plötzlich bekomme ich Pickel.

Es gehört dazu, ich weiß. Morgen bin ich wieder glücklich, erinnere ich mich selbst. Morgen gibt es wieder wichtigere Dinge, morgen definiere ich mich über Charaktereigenschaften, auf die ich stolz bin, nicht über die Länge meiner Wimpern. Morgen kann ich wieder in den Spiegel blicken, ohne Macken zu entdecken. Aber heute, heute ist es anders. Da helfen keine aufmunternden Worte.

Niemand hat mir jemals das Gefühl vermittelt, mein Aussehen würde – für was auch immer – nicht ausreichen. Meine Eltern haben mir beigebracht, dass ich mich selbst lieben und dass ich stetig an meinem Charakter arbeiten soll. Und doch passiert es. Dieses schon in der Früh beginnende Gefühl der Unzufriedenheit. Die große Frage, in welcher Jeans ich am wenigsten dick aussehe, wie ich meine Lippen voller aussehen lassen kann und wie ich es schaffen werde, meine Augenringe zu verdecken. Das macht mich wütend. Ich hasse es, dass ich in Muster verfalle, die ich zu brechen versuche.

Selbstsicherheit ist attraktiver und wichtiger als ein perfekter Körper, ermahne ich mich. Hilft nichts, setzt mich heute nur noch mehr unter Druck. Ich möchte mich am liebsten dafür ohrfeigen, dass ich in diesem Teufelskreis stecke. Ich habe keinen Grund, unzufrieden zu sein. Ich bin gesund, gehe meinem Traumberuf nach, habe Freunde und Familie, führe eine tolle Beziehung und reise viel. An meinem Leben gibt es eigentlich nichts auszusetzen. Und doch tue ich es: Ich lasse zu, dass ich mich von Schönheitsidealen runterziehen lasse. Ich verurteile die Mode- und teilweise auch die Werbebranche dafür, dass sie ein völlig falsches Bild von Frauen verbreitet und gleichzeitig würde ich alles tun, um fünf Kilo weniger zu wiegen. Wo ist mein Selbstbewusstsein plötzlich hin? Kann ich es bitte wieder zurückhaben? Danke.

Es fühlt sich falsch an, diese Gedanken in Worte zu fassen. So als würde ich mich selbst betrügen, als würde ich nicht an meine eigenen Werte glauben. Aber die Wahrheit ist: Genau so fühle ich mich heute. Und auch wenn mich das angreifbar macht und auch wenn es nicht das ist, wofür ich sonst immer stehe: Genau so fühle ich mich heute. Ist das dieser Druck, den viele Frauen täglich verspüren? Ist es das Verlangen perfekt zu sein, in jeglicher Hinsicht? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass es vorbeigeht. Morgen wird besser.