Letztens treffe ich mich mit einer Bekannten, wir unterhalten uns angeregt und auf einmal merke ich, wie ihre Aufmerksamkeit langsam aber sicher schwindet. Sie blickt neben mir vorbei und lächelt verschmitzt. Ich drehe mich um und was sehe ich? Sie flirtet gerade heftig mit irgendeinem Sunnyboy, der hinter mir sitzt. Meine Reaktion war eine völlig irrationale Empörung, die sie nur mit schuldbewussten Entschuldigungen wieder wett machen konnte.

Spaß beiseite: Wir sind auf das Thema Flirten gekommen und während sie der Flirtprofi schlechthin ist, kann ich nur wenig damit anfangen. Ich muss zugeben, dass ich vor ein paar Jahren auch etwas urteilend war, wenn vergebene Frauen geflirtet haben. Für mich wäre es nämlich ein Problem, wenn mein Partner mit einer anderen Frau flirten würde. Das hat wenig mit Misstrauen oder Unsicherheit zu tun, es geht wohl eher darum, dass ich als eine Art Respektlosigkeit empfinde. Außerdem flirte ich auch nicht – warum sollte er es also tun?

Jeder, wie er mag

Um nochmal zu den flirty Girls in Beziehungen zu kommen: Mittlerweile habe ich eine erwachsenere Einstellung dazu und lasse jeden so machen, wie er es für richtig hält, ohne sie zu verurteilen. Das ändert aber nichts an mir: Ich war, bin und werde wohl nie der Typ von Frau sein, der flirtet. Ehrlich gesagt wüsste ich auch gar nicht, wie ich das bewerkstelligen soll und und einen Flirt zu beginnen, käme mir erst recht nicht in den Sinn. Selbst als mein Beziehungsstatus ein anderer war: Flirten ist einfach nicht so mein Ding.

Das bedeutet nicht, dass ich prüde bin und den Kontakt zu Männern scheue. Ich lerne irrsinnig gerne neue Menschen kennen, völlig egal welches Geschlecht sie haben. Aber ich tue mir manchmal schwer, Flirtversuche zu überspielen. Das Problem ist nämlich: Viele verwechseln Freundlichkeit mit einem Flirt. Erst vor ein paar Tagen habe ich eine Veranstaltung fotografiert und habe dort viele nette Menschen kennengelernt, mit denen ich mich sehr gut verstanden habe. Nur um dann im Nachhinein zu erfahren, dass zwei von ihnen meine Freundlichkeit mit Flirten verwechselt haben. Das kränkt mich natürlich, weil das in keinster Weise beabsichtigt war und ich fremdflirten – das ist jetzt glaube ich allen klar – nicht mag.

Braucht jede Frau Bestätigung von einem Mann?

Kommen wir wieder zu meiner Bekannten. „Aber was ist dabei, mit einem gut aussehenden Mann Augenkontakt zu haben und sich ein bisschen Bestätigung zu holen?“, fragt sie mich. „Naja, ich brauche halt keine Bestätigung von einem (anderen) Mann“, kontere ich. „Ach was, das kannst du mir nicht weismachen. Jede Frau bekommt gerne schöne Augen!“ Abgesehen davon, dass ich tatsächlich Frauen kenne, denen es wirklich unangenehm ist, wenn ihnen fremde Männer zu viel Aufmerksamkeit schenken, mag ich das auch nicht so. Klar, Komplimente bekommt jeder gerne. Aber ich habe leider die Erfahrung gemacht, dass in vielen Fällen ein Hintergedanke steckt. Nicht immer, aber oft. Aber hey, ich will Männern nicht verbieten, dass sie mich ansprechen, echt nicht. Eins muss aber klar sein: Ich bin ein netter Mensch und werde zu niemandem unfreundlich sein, der mich anspricht oder mir sagt, dass ich gut aussehe. Das bedeutet im Umkehrausschluss aber nicht, dass ich flirte. Das nennt man Höflichkeit. Außerdem höre ich lieber von meinem Partner, meinen Freunden und Kollegen, dass ich gut aussehe. Da ist mir das Geschlecht wiedermal egal.

„Verkrampft und unsicher“

Ich habe vor einigen Monaten eine Kolumne gelesen, in der es genau um dieses Thema ging: flirten. Die Kolumnistin schreibt darin, dass sie jene Personen, die nicht flirten, als verkrampft, prüde und unsicher einschätzen würde. So à la: Was ist schon dabei, wenn man ein bisschen flirtet? Mein Gedanke war: Du, eh nichts. Ich bin halt nicht so der Typ, der „die Waffen einer Frau“ einsetzen will und möchte jemanden nicht um den kleinen Finger wickeln. Ich bin deswegen wohl auch keine gute Verkäuferin. Ich finde es in vielen Situation auch ein bisschen problematisch, sich selbst auf sein Äußeres zu reduzieren. Ich weiß, dass ich gut aussehe. An dieser Stelle: Das schreibe ich mit keinem Funken Arroganz, eher mit der rationalen Einstellung einer 25-Jährigen. Das heißt aber nicht, dass ich mein Aussehen dafür einsetzen möchte, den Job zu bekommen, die Warteschlange zu umgehen oder Rabatt auf etwas zu bekommen. Dafür bin ich mir irgendwie zu schade, ich habe auch andere Qualitäten als meine blauen Augen. Aber wie gesagt: Jeder wie er mag. Nur weil ich nicht flirte, bedeutet das aber nicht, dass ich unsicher oder gar verkrampft bin. Jeder, der schon mal mit mir gesprochen hat, wird mir da zustimmen. Ich nehme das Leben übrigens auch nicht zu ernst. Das kann auch jeder bestätigen, der sich mit mir unterhalten hat, haha.

Während es für manche also ganz normal ist, zu flirten, mag ich das eben nicht. Ich mag es nicht, wenn ich auf einem Networking-Event von einem älteren Mann angeflirtet werde. Ich mag es nicht, wenn mir jemand, den ich kaum kenne, zu nahe kommt. Ich mag es nicht, wenn ich von einem Typen den ganzen Abend im Restaurant beobachtet werde und er in seinem Stolz gekränkt reagiert, wenn ich ihn bitte, mich nicht mehr so anzuglotzen. Ich mag es nicht, wenn man Fotos mit mir machen möchte und dabei seinen Arm um mich schlingt. Und ich mag es auch nicht, wenn man mir zweideutige Aussagen entgegenwirft. Mag ich nicht, werde ich wohl nie mögen. Ein Bekannter meinte mal: „Was ist dabei, wenn man durch Charme schneller an das kommt, was man möchte?“ Nun ja, lieber Bekannter, wenn du heftig mit deiner Friseurin flirtest, nur um zwei Tage vorher einen Termin zu bekommen, frage ich mich zwischenzeitlich schon auch, ob du so auch telefonieren würdest, wenn deine Verlobte neben dir sitzt. I don’t think so. Und genau das ist der springende Punkt: Ich versuche mich Männern gegenüber immer so zu verhalten, wie ich es in Anwesenheit meines Partners machen würde. Ganz normal also. Ohne dummes „Krümel von der Schulter wischen“, ohne mit meinen Haaren zu spielen und dabei unschuldig dreinzublicken und erst recht ohne körperlichen Kontakt, der jeden freundschaftlichen Gedanken übertrumpft. Easy as that.