Der Begriff „befreundet“ ist wohl übertrieben, immerhin bin ich ja nur via Facebook mit ihnen befreundet. Nichtsdestotrotz stehe ich in irgendeiner Form in Kontakt mit diesen Menschen. Und immer, wenn ich entdecke, wie einer meiner „Freunde“ ein Posting von Seiten wie „Österreich bleibt Rot Weiss Rot“ oder „Wir müssen die Grenzen absperren“ teilt, ärgere ich mich.

Dann gibt es andere Internet-Bekanntschaften, die „Asyllügen“ teilen, die von keinem anderen als von HC Strache himself „aufgedeckt“ wurden. Ich kämpfe jedes Mal mit mir selbst: Soll ich auf diesen Beitrag eingehen, soll ich eine Diskussion starten? Was würde es mir bringen, würde ich sie tatsächlich eines Besseren belehren? Ich befürchte, solche Leute haben nur noch mehr FPÖ-Fans in ihrer Freundesliste, zum Schluss wäre es ein Kampf gegen eine ganze Schar.

Warum nicht einfach löschen?

Ich habe kürzlich darüber nachgedacht, warum ich diese ganzen Leute nicht einfach lösche. Die Antwort ist eine einfache: Ohne diese Menschen hätte ich weniger Einblick in ihre verkehrte Welt. Ich würde kaum mitbekommen, wie naiv manche sind und wie leicht sie sich von HC Strache und Hofer einlullen lassen. Ich wüsste auch nicht, was für Menschen etwas gegen Flüchtlinge haben, obwohl sie beispielsweise selber mal welche waren. Berufsbedingt will und sollte ich aber nicht die Letzte sein, die sowas erfährt.

Ich lebe in einer Blase

Ich habe seit circa einem Monat eine Facebook-Seite, da bekomme ich auch ganz stark mit, in was für einer Blase ich lebe. Da sind plötzlich ganz viele Fremde, die Hofer unterstützen, Van der Bellen „als den schlimmsten Verbrecher“ bezeichnen, mich als „linkslinke Hetzerin“ beschimpfen und mich fragen, auf welchen Drogen ich bin. Ich kenne diese Menschen nicht. Bei meine „Freunden“ ist es anders. Ich weiß, welche Bildung sie abgeschlossen haben. Ich weiß, in welchem Umfeld sie sich bewegen. Ich weiß, welchen Migrationsbackground sie haben.

Genau das ist der Grund, warum ich sie nicht schon längst ins virtuelle Nichts befördert habe. Ein genauerer Blick in mein Newsfeed reicht und schon bin ich informiert über den neuen Bullshit, der verzapft wird und den manche tatsächlich glauben und unterstützen.

Zwei Welten

Ich stelle mir das Ganze immer wie eine völlig andere Welt vor. Meine besteht aus Menschen, die sich für Flüchtlinge einsetzen, Hilfsaktionen starten und helfen, wo sie nur können. In meiner Welt fällt keiner so leicht auf die Lügen von HC Strache rein. In meiner Welt weiß man, dass sich Hofer als etwas verkauft, das er nicht ist. In meiner Welt pauschalisiert man nicht. In meiner Welt werden seine Pseudo-Fakten hinterfragt, man informiert sich eigenständig. In meiner Welt thematisiert man Probleme, ohne zu hetzen.

In deren Welt, in deren FPÖ-, hass- und angstgeprägten Welt, geht es darum, „die Grenzen zu schließen“, den „bösen Ausländer, der in den dunklen Ecken des Parks wartet, um jemanden auszurauben“ loszuwerden, bloß keine weiteren Flüchtlingen aufzunehmen, „weil die meisten von ihnen eh nur Wirtschaftsflüchtlinge sind“. Außerdem muss ihrer Meinung nach „irgendjemand  an die österreichischen Kinder und ihre Zukunft denken“, sie selbst „haben ja eeeh nichts gegen Ausländer, aber…“ , es muss jemanden geben, „der zuerst an Österreich denkt“ und überhaupt und sowieso „hat Österreich schon genug getan“.

Klar, der Großteil meiner Facebook-Freunde teilt meine Meinung oder hat zumindest eine sehr ähnliche. Aber es gibt eben auch die „Anderen“ – da wären Schulkollegen, die sich bei der FPÖ engagieren, Mütter ehemaliger Freundinnen, frühere Arbeitskollegen, ja sogar entfernte Verwandte. Ganzen 17 meiner „Freunde“ gefällt die FB-Seite von HC Strache. Zwei davon sind Journalisten, bei ihnen gehe ich davon aus, dass sie ihm nur aus beruflichen Gründen folgen. Bei den restlichen 15 Personen bin ich mir aber ziemlich sicher, dass er ihnen nicht nur „einfach so“ gefällt.

Ich kann nichts mit rassistischen, diskriminierenden und hetzerischen Beiträge anfangen. Nicht im realen Leben, auch nicht auf Facebook. Also, liebe FPÖ-Fans, liebe Hofer-Wähler und Flüchtlingsgegner, jetz wisst ihr, warum wir noch „befreundet“ sind.