Gestern fand der Marsch der Identitären und die Gegendemo in Wien statt. Ich habe live für biber berichtet, hier könnt ihr euch die Facebook-Streams ansehen. Rund um die Demos kam es zu Ausschreitungen und ich war oft mittendrin.

Los ging es ab 12 Uhr, als sich die Identitären getroffen haben. Ich war ab 13 Uhr vor Ort und habe alles dokumentiert. Manche Momente haben an eine Straßenschlacht erinnert. Böller sind explodiert, es wurde mit Flaschen, Farbbeuteln und Kartoffeln geschossen, Absperrgitter wurden herumgezerrt. Ich habe auch eine Glasflasche abbekommen, zum Glück war es nur der Oberarm. Zwischendurch habe ich Pfefferspray eingeatmet, ich habe aber im Vergleich zu anderen kaum etwas abbekommen. Die rechtsextreme Gruppe der Identitären ist auf die linken Gegendemonstranten gestoßen und wie nicht anders zu erwarten, kam es zu Ausschreitungen. Es waren circa 400 Identitäre unterwegs und ich war vor allem am Anfang unter ihnen. Lasst mich ehrlich sein: Es war ein beklemmendes Gefühl. Ähnlich wie bei FPÖ-Demos, aber dieses Mal war es irgendwie schlimmer.

Auf der Pegida-Demo in Favoriten. Foto: Christopher Glanzl

Auf der Pegida-Demo in Favoriten. Foto: Christopher Glanzl

Wieso tust du dir das an?

Eigentlich stellt sich die Frage als Journalistin nicht, denn es ist ja mein Job. Trotzdem fragen Freunde, Bekannte, LeserInnen und auch Mama jedes Mal, wieso ich mir solche Demonstrationen  antue. „Kannst du nicht über etwas Anderes schreiben, etwas Schönes zum Beispiel?“ oder „Wieso begibst du dich unnötig in Gefahr?“ – alles schon gehört. Ich war die letzten Monate  auf zwei FPÖ-Demos, einer Pegida-Demo und gestern auf der der Identitären. Ich habe also die meisten rechten Demos dieses Jahr besucht.

Nach der gestrigen habe ich aber wirklich lange darüber nachgedacht, warum ich mir das jedes Mal aufs Neue gebe. Ich war am Vorabend aus und dementsprechend ziemlich k.o., außerdem kosten solche Veranstaltungen furchtbar viel Energie. Ich fühle mich danach völlig niedergeschlagen. Es ist einfach ein bedrückendes Gefühl, so viele Menschen, die gewisse Werte teilen und unterstützen, um sich zu haben.

Also, wozu das Ganze? Es ist nicht leicht zu erklären, aber das trifft es am ehesten: Ich möchte informieren. Ich möchte jene, die mit dieser politischen Einstellung sympathisieren, wachrütteln und ihnen zeigen, wie sich ihre „Gleichgesinnten“ verhalten. Was sie hingrölen, welche Dinge sie unter vorgehaltener Hand flüstern und welches Benehmen sie an den Tag legen. Deswegen versuche ich auch den Großteil der Zeit bei ihnen zu verbringen. Natürlich suche ich auch die Gegendemos auf, um die andere Seite der Medaille zu zeigen.

Es ist also eine Art journalistisches Pflichtgefühl, das mich in solchen Momenten überkommt und mich dazu bringt, mich selbst manchmal in brenzlige Situationen zu stecken. Ich wurde bisher immer misstrauisch und gehässig angesehen, Beschimpfungen und Drohungen sind auch ganz normal, genauso wie die Tatsache, dass ich fast immer fotografiert werde, damit die „Lügenpresse und ihre Arbeit festgehalten wird“ – eh schon wissen. Wir alle müssen uns bewusst dessen sein, was für Personen hinter Parodien wie „Multikulti Endstation“ stehen. Wir sind bei den Bundespräsidentenwahlen glimpflich davongekommen, aber vorbei ist es deswegen noch lange nicht. Aufklärungsarbeit ist angesagt.

Demo Alex ist unterwegs!

Das ist der Grund, warum ich mir das immer antue. Auch wenn es irrsinnig anstrengend ist, mir Kraft raubt und manchmal nicht ganz ungefährlich ist. Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei all den aufmunternden Kommentaren bedanken. Es bestärkt einen, wenn man Sätze wie „Ich ziehe meinen Hut vor dir“, „Sei vorsichtig und danke für deine Berichterstattung“ oder „Mutig von dir“ lese. Vielen Dank dafür!

Merken

Merken

Merken