Das soll jetzt kein „Alle-Singles-sind-arm-und-einsam“- und auch kein „Unsere-Generation-ist-scheiße“-Text werden. Es ist nämlich völlig okay, wenn man Single ist, oder sich gerade austoben will. Ich finde es ehrlich gesagt schon komisch, dass ich überhaupt erwähnen muss, dass Alleinstehende nicht unbedingt einsam sind. Es gibt absolut keinen Grund, Mitleid mit Menschen zu haben, die derzeit keine Beziehung führen. Genauso wenig sollte man sich fragen, „was nicht mit ihnen stimmt.“ Und jeden als Weiberhelden oder Bitch abzustempeln, der im Moment lieber eine andere Art von Lifestyle durchlebt, muss auch nicht unbedingt sein.

Gleichzeitig ist es schade, dass sich keiner mehr die „Beziehungstortur geben will“ – um aus unserer Titelstory zu zitieren. Sex gäbe es ja sowieso. Außerdem werden Frauen nach einer Zeit langweilig und anstrengend. Puh, das klingt ja schon ziemlich heftig. Und sorry, aber dieser Befragte klingt wie ein frustrierter Ungustl.  Beziehungen sind out, schreibt meine Kollegin. One-Night-Stands, Mingle-Beziehungen und Tinder sind in. Na bumm. Das war meine erste Reaktion. Mit meinen 24 Jahren gehöre ich genau in diese Generation und kann mich doch gar nicht damit identifizieren.

Das (Liebes)leben ist halt kein Ponyhof.

Auch auf die Gefahr hin, dass alle denken, ich sei die totale Langweilerin, die vergebens an eine nicht existente Romantik in dieser sonst so abgefuckten Welt glaubt, möchte ich ein paar Worte an all jene richten, die meinen, Beziehungen sind unnötig und auch die Möglichkeit der „wahren Liebe“ ausschließen.

Natürlich erlebt man viele Enttäuschungen im Leben, dazu gehören auch Beziehungen. Solche, die nicht gut ausgegangen sind, zum Schluss stinklangweilig waren, oder einfach nur irrsinnig viel Kraft gekostet haben. Aber das ist halt so. Das Leben ist kein Ponyhof. Das bedeutet nicht, dass man Beziehungen gar keine Chance geben sollte. Denn Beziehungen können toll sein. Wirklich! Und die „wahre Liebe“ muss jeder für sich selbst definieren. Wegen Enttäuschungen in der Vergangenheit davon auszugehen, dass sie nicht existiert oder existieren könnte, ist eigentlich sogar ziemlich feige.

Marko und ich.

Marko und ich.

Jackpot.

Habt ihr zum Beispiel schon mal Länder bereist und seid zu der Erkenntnis gekommen, dass ihr einen Menschen an eurer Seite habt, der euch auch nach wochenlangem Urlaub ohne Wifi und nötige Sprachkenntnisse, dafür mit ganz vielen Turbulenzen, nicht zum Wahnsinn treibt? Dieser Mensch ist nicht eure beste Freundin sondern euer Partner? Jackpot, sag ich nur. Im besten Fall ist oder wird euer Partner auch zum besten Freund. Was im Umkehrschluss übrigens nicht bedeutet, dass man auf all seine Freunde pfeift. Oder wart ihr schon mal krank und euer Herzblatt ist an einem Samstagmorgen in die Apotheke gelaufen, um euch mit Medikamenten zu versorgen? Ist mir letztes Wochenende passiert. Ich kann gar nicht beschreiben, was für ein schönes Gefühl es ist, wenn sich jemand um einen kümmert und dieser Jemand nicht Mama ist.

Wenn ihr eine gut funktionierende Beziehung habt, ist das eine Bereicherung fürs Leben. Man hat jemanden gefunden, der einen auch dann liebt, wenn man unerträglich ist. Jemand, der einen zum Lachen bringt, wenn man heulen will. Man kann an eine gemeinsame Zukunft denken, wichtige Entscheidungen zu zweit treffen, und teilt sich sein Leben und seinen Alltag mit einem Menschen. Eine Beziehung besteht definitiv aus mehr als Streitereien, schlechtem Sex und Langeweile.

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Pro Beziehung!

Aber ja: Klar können Beziehungen langweilig werden. Zugegeben, eine neue Serie zu bingewatchen und Sushi zu bestellen klingt nicht wie das ultimative Abenteuer. Aber irgendwelche Eskapaden mit irgendwelchen Leuten, denen man in irgendeinem Club begegnet, klingen für mich auch nicht nach dem besten Abend meines Lebens. Aber jeder ist da anders und das ist auch gut so. Aber es kann doch nicht sein, dass eine ganze Generation beziehungsunfähig zu sein scheint und glaubt, Bindungen seien scheiße.

Wenn ich mich in meinem Freundeskreis umblicke, gibt es da jede Sorte von Beziehungsstatus. Von den Beziehungen sind manche super, manche weniger super.  Aber es ist ja nicht so, als wäre das (spannende) Leben vorbei, wenn man sich auf jemanden einlässt. Sollte das der Fall sein, habt ihr euch vielleicht für die falsche Person entschieden. Falls ihr euch aber den richtigen Partner geangelt habt, könnt ihr euch auch mit dem die Birne wegrauchen oder feiern gehen. Bindung ist nicht gleich Einschränkung. An all jene, die das wirklich glauben, kann ich nur ein virtuelles Kopfschütteln schicken.

Austauschbarkeit my ass

In dem Artikel meiner Kollegin geht es auch um „Austauschbarkeit“. Puh. Ich will aber nicht austauschbar sein und ich möchte meinem Partner auch nicht das Gefühl geben, er sei austauschbar. Das ist verletzend und unfair. Erst kürzlich habe ich mit einer Psychologin gesprochen und die meinte: „Jeder will etwas Besonderes sein. Jeder will gemocht werden.“ Eh logisch. Besonders gemocht werden will ich von meinem Freund. Ich meine, come on.  Muss das überhaupt dazugesagt werden? Wertschätzung ist für jedes Individuum dieses Planeten wichtig. Man muss nicht immer nach dem Besseren streben. Ja, das Streben nach mehr ist natürlich gut und wichtig – aber seinen Freund, mit dem man eigentlich glücklich ist, dafür austauschen? Weil man glaubt, man könnte einen Besseren finden? Dann habt ihr eure Partner gar nicht verdient. Ehrlich nicht.

Man macht es sich zu leicht

Achja und Selbstverwirklichung läuft übrigens auch ganz gut, wenn man vergeben ist. Wenn nicht,  steht euch vielleicht euer Partner im Weg und ihr solltet mit ihm darüber reden, oder ihr selbst seid eben ein bisserl unfähig. Wenn man einer Beziehung in die Schuhe schiebt, dass man sein Leben nicht so lebt, wie man es will, macht man es sich manchmal zu einfach. Außerdem bringt euch eine gut funktionierende Beziehung auch bei, nicht absolut egoistisch durch die Welt zu spazieren. Man lernt, Kompromisse einzugehen und auch mal an jemanden anderen zu denken, nicht nur an sich. Wie gesagt, jede Form von Beziehungsstatus ist okay. Aber so krass gegen Beziehungen zu sein, finde ich arg. Viele scheinen sich gar nicht bewusst darüber zu sein, wie viel sie verpassen.