Was macht eine echte Freundschaft aus? Wie oft „darf“ dich eine Freundin enttäuschen, wann ist es Zeit getrennte Wege zu gehen? Ist es überhaupt je Zeit?

Ich habe es geschafft, Freundschaften weit über fünfzehn Jahre aufrechtzuerhalten (siehe Foto!) und gleichzeitig schnell und intensiv neue Menschen in mein Herz zu schließen. Freunde haben in mir jede Form von Gefühlen ausgelöst: Freude, Stolz, Glück, Solidarität. Wut, Trauer, Schmerz, Trotz. Von Freundinnen erwartet man, dass sie einen ein Leben lang begleiten. Dass sie unsere Macken kennen und akzeptieren, dass sie auch in harten Zeit für uns da sind, dass sie der Freundschaft kein Ablaufdatum geben. Umso schmerzhafter ist es, wenn die Freundschaft dann doch kaputt geht.

Ich habe Freunde über die Jahre hinweg verloren, mal mit einem plötzlichen Knall, meist aber langsam, ohne sich dessen bewusst zu sein, aber doch mit einer schmerzhaften Vorahnung. Welche der beiden Varianten besser ist, sei dahingestellt. Klar ist aber: Eine Freundin zu verlieren, tut immer weh. Es fühlt sich immer so an, als lasse man einen wichtigen Teil seiner selbst gehen.

Es passiert oft, dass ich an eine Freundin denke, ihr schreiben möchte und es mir dann doch anders überlege. Mal aus Angst, mal aus falschem Stolz. Diese Wehmut überkommt mich bei längst vergessenen Fotos, Liedern, Momenten. Der unten verlinkte Zeit-Artikel beschreibt etwas, das ich sehr gut nachvollziehen kann. Nämlich warum das Ende einer Freundschaft härter sein kann als das Ende einer Beziehung. Vor allem dieser Absatz erklärt viel:

„Laut der Psychologin Daniela Scholz liegt das am Selbstbild, das uns eine Freundschaft vermittelt. Denn innige Freundschaften geben uns eher das Gefühl, als Person gemocht zu werden. Und eben nicht als jemand, in den man sich auch aus optischen Gründen verliebt hat. Wenn die Freundschaft in die Brüche geht, hätten wir folgerichtig auch eher das Gefühl, uns selbst verloren zu haben.“

Ich habe nie so richtig an Liebeskummer gelitten, sehr wohl aber an etwas, das ich Freundschaftskummer nennen möchte. Freundschaftskummer, weil man ganz übel belogen wurde, weil gemeine Vorwürfe gefallen sind und falsche Versprechungen gemacht wurden.  Freundschaftskummer, weil man selbst nicht richtig gehandelt und Prioritäten dumm gesetzt hat. Freundschaftskummer aber vor allem wegen Erwartungen und den daraus resultierenden Enttäuschungen.

Das perfekte Rezept für eine gute Freundschaft gibt es nicht, aber eins habe ich gelernt: Freunde muss man schätzen – auch jene, die keine mehr sind. Auf alte, neue, intensive, kurzweilige, launenhafte, ehrliche, tränenreiche und vergangene Freundschaften.