„2010 und 2011 habe ich monatelang im Krankehaus verbracht. Diagnose: Magersucht, Bulimie, Depressionen. Ich war damals knapp 20 Jahre alt und hatte 46 Kilogramm. Meine Periode blieb aus, nach und nach habe ich alles Weibliche an mir verloren. Das wohl erschreckendste war, dass ich sprachlich beeinträchtigt war. Mein Körper hat irgendwann einen Punkt erreicht, an dem er keine Energie mehr hatte. Ich habe Wörter versucht auszusprechen, aber mehr als teilweise zusammenhangslos Buchstaben kamen nicht raus.

Trotzdem, erst als meine Ärztin meinte, dass meine Organe „noch“ funktionieren, da habe ich verstanden, worum es hier geht. Ich habe diesen Moment als zweite Chance wahrgenommen und mir geschworen, auf mein Körper zu achten. Der erste Schritt war, mich selbst einzuweisen. Heute bin ich stolz auf meinen Körper und mich. Ich liebe mich mit allen Fehlern und Eigenheiten, mit all meinen emotionalen und körperlichen Falten und Dellen. Ich habe meine Vergangenheit als ein Teil von mir akzeptiert, ich kann heute darüber reden. Es freut mich zu sehen, dass ich Frauen in der gleichen Situationen mit meiner Erfahrung helfen und ihnen Hoffnung schenken kann. Heute bin ich mein eigenes Vorbild.

Wir müssen aufhören, uns dafür zu schämen, wer wir sind. Jeder Körper ist auf seine Art und Weise perfekt, gleichzeitig sollte niemand mit seinen Ängsten und Sorgen alleine sein. Wir müssen aufhören, uns als Belastung für andere zu sehen und uns für unsere Tränen zu entschuldigen. Wir dürfen auch mal überfordert sein. Wir dürfen mal einen schlechten Tag haben. Wir dürfen mal nicht wissen, wo uns der Kopf steht. Wenn wir das Bedürfnis haben, loszuheulen, dann ist das auch unser gutes Recht! Wir dürfen das und niemand hat das Recht, uns dafür zu verurteilen.“