„Wer bin ich? Diese Frage habe ich mir als migrantisches Kind, das zwischen zwei Welten aufgewachsen ist, immer wieder gestellt. Werde ich je Teil dieser Gesellschaft sein? Werden sie mich aufnehmen oder mich ewig als Fremdkörper wahrnehmen? Heute weiß ich, ich gehöre zu Österreichs Gesellschaft und kann sie mitgestalten. Wir alle machen unsere Welt aus.  Wir machen sie bunter, vielfältiger und spannender. Jede Stadt, jedes Land ist auch immer die Summe aller Menschen, die darin leben. Je vielfältiger und bunter umso schöner.

Ich möchte meine Töchter zu selbstbewussten und starken Frauen erziehen und sie motivieren, das zu tun, was ihr Herz begehrt. Sie sollen in der Lage sein, nein sagen zu können, wenn sie ein Nein fühlen und ja zu sagen, wenn sie etwas wirklich wollen. Sie sollen reisen und in die Welt hinausgehen, ihren Horizont erweitern und nicht zwangsläufig mit dem Strom mitschwimmen.

Sprache verbindet oder trennt uns Menschen. Als kleines Kind dachte ich, dass ich schon anders aussehe als die meisten und, dass ich mich nicht auch noch durch meine Sprache unterscheiden sollte. Ich habe also aufgehört, meine Muttersprache in der Öffentlichkeit zu sprechen. Erst als ich selber Mutter wurde, habe ich verstanden, wie wichtig es für mich ist, dass meine Kinder meine Muttersprache sprechen können. Ich überwand mich und fing nach knapp zwei Jahrzehnten wieder an, meine Muttersprache in der Öffentlichkeit zu sprechen. Sofort war ich angreifbar, sofort nahmen sich manche Menschen das Recht heraus, mich oder mein Kind zu kritisieren bzw. zu diskriminieren. Ich bin aber nicht mehr das verunsicherte kleine Mädchen von damals. Ich habe keine Angst mehr davor, zu mir selbst zu stehen. Dazu gehört auch meine Muttersprache,  sie ist ein Teil von mir und jetzt auch ein Teil meiner Kinder.“

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