Ich habe mich dieses Jahr oft dabei erwischt, wie ich mir wünsche, 2016 möge so schnell wie möglich vorbei gehen. Gleichzeitig war es mein bisher erfolgreichstes Jahr. Weil ich immer wieder mal gefragt werde, was ich eigentlich die ganze Zeit mache, habe ich das Jahresende als Anlass genommen, um die letzten 12 Monate revue passieren zu lassen.

Fassen wir zusammen, warum dieses Jahr wirklich beschissen war. Muhammed Ali, Prince, Bud Spencer, David Bowie und Leonard Cohen sind gestorben. Donald Trump zieht bald ins Weiße Haus, Großbritannien verabschiedet sich mit dem Brexit aus der EU. Um ein Haar wäre Norbert Hofer Bundespräsident geworden. Syrien hinterlässt ein großes Loch, ein nicht zu stopfendes Loch aus Trauer, Leid und Krieg. Fragen, die unbeantwortet bleiben: Wie oft muss sich die Geschichte noch wiederholen? Wieso muss dieser Krieg fünf grausame Jahre andauern? Warum mussten so viele Menschen sterben?

Ich habe viele kennengelernt, die aus Kriegsgebieten wie Syrien fliehen mussten und von manchen mit Fremdenfeindlichkeit und Unmenschlichkeit in Europa empfangen wurden. Ich war dieses Jahr oft auf rechten Demos und habe miterlebt, wie es dort zugeht. Außerdem wurde ich für meine Arbeit beschimpft, beleidigt, bedroht. Ich habe gelernt, dass manche anderen ihren Erfolg nicht gönnen und, dass es zum Leben gehört, diese Erfahrung zu machen. Würde ich den Beitrag hier beenden, könnte man meinen, dass 2016 wirklich furchtbar war. Das stimmt aber nicht ganz.

2016 bin ich mir bewusst geworden, wie zufrieden ich mit meinem Leben sein sollte, nein, sein muss – auch wenn mich die politische Lage manchmal zum Verzweifeln bringt, auch wenn ich vor lauter Trauer und Wut nur fassungslos auf den Bildschirm starren kann, während ich die Nachrichten checke. Aber genug jetzt damit, all diese Gedanken verdienen einen eigenen Beitrag. Ich wollte euch nur einmal mehr ins Bewusstsein rufen, wie viel Glück wir alle haben. „Die Gnade des Geburtsortes“ nennt der Journalist Karim El-Gawhary dieses Glück. Denkt immer daran, dass andere Menschen nicht so viel Glück hatten, wenn ihr wieder über die zu spät kommende U-Bahn schimpft. Kommen wir nun zu der Zusammenfassung meines Jahres.

Meine Karriere

Anfang dieses Jahr durfte ich die Auftaktveranstaltung des vom Außenministerium ins Leben gerufene Kulturjahres zwischen Österreich und Bosnien-Herzegowina moderieren. Ende November habe ich die dazugehörige Abschlussveranstaltung geführt. Im Frühling habe ich meinen Blog gestartet und hatte kurz darauf meine erste Kooperation. Mit meiner Fotokarriere läuft es prima, ich habe viele freie Geschichten fotografiert und hatte einige Fotojobs, unter anderem fürs Außenministerium. Im April habe ich die Puls4 Mobile Reporting-Academy besucht. Direkt danach hat mich Okto TV als Moderatorin für ihre neue Magazinsendung Oktoscout engagiert.

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Ich habe eine Cover-Story für Biber fotografiert und geschrieben, diese Geschichte liegt mir besonders am Herzen. Das Medienmagazin „Der Journalist“ hat mich zu den besten 30 Journalistinnen unter 30 gekürt. Ich habe Bundeskanzler Christian Kern für Biber fotografiert, für Okto habe ich eine Sendung mit dem Nahost-Experten Karim El-Gawhary geführt. Ich hatte dieses Jahr dank Biber und Okto oft Kontakt mit Schülerinnen und Schülern, das weiß ich sehr zu schätzen. Ich habe meine Fotoserie“#GRLPWR – support your local girl gang“ gestartet und irrsinnig viel Feedback dafür bekommen. Im Laufe des Jahres habe ich das ein oder andere Mal gemodelt, unter anderem für Ottakringer und Pago. Und last but not least: Wiener Portraits hat mich ein paar Tage lang begleitet und mich porträtiert. Das Portrait hat auch der Standard übernommen. Ich bin wirklich sehr froh, Teil der Wiener Portraits-Familie zu sein. Es ist schön, zu einer so positiven „Community“ zu gehören.

Foto: Mahir Jahmal

Foto: Mahir Jahmal

Meine Reisen

Ende 2015 bzw. Anfang 2016 waren Marko und ich ein paar Tage in Slowenien, da habe ich meine Liebe zu unserem Nachbarland entdeckt. Hier könnt ihr alles zu unserer Reise lesen.

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Der Freundschaftsdienstrat (wir sind insgesamt sechs Freunde) und ich waren gemeinsam in Sri Lanka und hatten dort eine tolle Zeit. In einer Gruppe zu verreisen, ist nicht nur eine ziemlich lässige Angelegenheit, es vertieft eine Freundschaft auch, würde ich jetzt mal behaupten. Und nach unserem Surf-Urlaub in Marokko im Herbst 2015, hat es gut getan, wieder aufs Brett steigen zu können. In Zukunft haben alle Reisen ins Warme ein wichtiges Kriterium zu erfüllen: Es muss gute Wellen geben.

Im April waren Marko und ich wieder in Opatija. Das war vor bald vier Jahren unsere erste gemeinsame Reise als Paar. Opatija hat also eine ganz besondere Bedeutung für uns. Außerdem war es das erste Mal, dass wir mit unserem Hund Tito am Meer waren. Und obwohl es gerade einmal Frühling war, bin ich natürlich schwimmen gegangen. In diesem Beitrag beschreibe ich meine Liebe zu Kroatien.

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Zu meinem 25. Geburtstag hat mir Marko eine Reise nach New York geschenkt. Nachdem es mein zweiter Aufenthalt in New York war, konnte ich mich dieses Mal darauf konzentrieren, die Stadt besser kennenzulernen. Wir haben Freunde getroffen, die dort leben. Ein befreundetes Pärchen aus Wien war zu der Zeit auch in New York, mit ihnen hatten wir eine tolle Zeit. Hier könnt ihr nachlesen, welche (Insider-)Tipps ich für New York habe. Ein paar Wochen drauf sind wir nach Südfrankreich geflogen, um abzuschalten. Auch ein wirklicher cooler Trip, mehr dazu hier. Ende September haben wir uns noch ein paar Tage in Rovinj gegönnt, wieder mit Tito im Gepäck. Wir hatten Sorge, dass es zu kalt sein könnte, aber wir haben die letzten Sonnenstrahlen erwischt und konnten jeden Tag schwimmen und uns sonnen. Und vom 14. bis 29. Dezember bin ich in der Karibik, um – wie könnte es anders sein – zu surfen.

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Meine Erfahrung

Ich habe dieses Jahr viele spannende und unterschiedliche Persönlichkeiten kennengelernt – die meisten von ihnen bereichern Wien immens. Ich habe neue Freunde dazugewonnen und viel über mich selbst gelernt. So weiß ich jetzt zum Beispiel, dass ich mein Selbstbewusstsein meiner Mutter zu verdanken habe, meine sensible Seite habe ich von meinem Vater. Ich habe gelernt, wie man mit Menschen umgeht, die einen runtermachen wollen, unzuverlässig sind oder eine völlig andere Meinung haben.

All die negativen Dinge, die ich oben genannt habe, haben mich geprägt und mir geholfen, mehr an meine Ziele und mich zu glauben und das Leben zu schätzen. Das klingt vielleicht abgedroschen, ist aber so. Vor allem die Tatsache, dass ich mich erst im April mehr oder weniger in die „Öffentlichkeit“ gestellt und trotzdem schon so viel Feedback erhalten habe, freut mich irrsinnig. Der Großteil der Nachrichten stammt von jungen Frauen, die sich bei mir bedanken, mich Inspiration nennen oder mich schlichtweg fragen, wie ich all das „meistere“. Das sind sicher nicht so viele Nachrichten wie sie andere erhalten, aber für mich bedeuten sie die Welt. Es gibt kein größeres Kompliment, als dass mich jemand als Motivation oder gar als Vorbild sieht, wirklich nicht. Deswegen möchte ich mich bei jedem bedanken. Vielen Dank, dass ihr meine Arbeit verfolgt und, dass ihr euch die Mühe macht, mir zu schreiben. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen.

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Eine Sache, die mich auch noch besonders glücklich macht: Unser neuer Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Ich wurde während des Wahlkampfs oft gefragt, warum „ich es mir antue“, mit anderen über gesellschaftlich relevante Angelegenheiten zu diskutieren und „dass meine Bemühungen eh nichts bringen.“ Ich habe ehrlich gesagt kein Verständnis für so eine Einstellung, im Endeffekt läuft es nämlich auf diese Frage hinaus: Was bleibt mir denn anderes übrig? Alles so hinzunehmen, wie es ist und mich einfach in meinem Mikrokosmos zu bewegen, in dem alle meine Meinung teilen und wir uns alle lieb haben? Ok, ich werde manchmal beleidigt, muss mit unreflektierten, passiv-aggressiven Aussagen umgehen und komme gelegentlich an meine Grenzen. Trotzdem empfinde ich diese Resignation und scheißegal-Haltung als sehr problematisch. Eine Fashionbloggerin meinte in einem ihrer Videos einmal, dass Social Media für die schönen Seiten des Lebens genutzt werden sollte. „Unangenehme Angelegenheit“ wie die politische Situation eines Landes haben auf IG und Co. also nichts verloren. Dabei ist Social Media so mächtig, man möge sich nur den US-Wahlkampf ansehen. Worte bedeuten Macht und wenn wir sie richtig einsetzen, können wir viel bewegen. Wenn ich es schaffe, auch nur einen Rechten davon zu überzeugen, dass seine Argumente schlichtweg falsch sind, bin ich froh und weiß, wieso ich „mir das antue.“ Wir alle können unseren Beitrag leisten, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen – jeder auf seine Weise. Aber wo wären wir denn, wenn keiner Bock darauf hätte? Der Sieg von Van der Bellen hat uns gezeigt, dass es sehr wohl etwas bringt, wenn man sich engagiert und den offenen Dialog sucht.

Ich habe mir im Laufe des Jahres immer wieder Ziele setzt – all diese Ziele habe ich 2016 erreicht. Manche eher als gedacht, bei anderen musste ich mich weitaus mehr anstrengen. Es kann sein, dass mir jetzt so manch einer vorwerfen wird, dass ich angebe oder mich wichtig mache und ich muss an dieser Stelle zugeben: Ich bin schon ein bisschen stolz auf mich. Andere legen besonders Wert auf ihr Aussehen oder ihre Nationalität. Ich bin stolz auf meine Leistung und meine Einstellung zum Leben. Aber da schwingt keine Spur von Arroganz mit. Wieso sollte ich mich deswegen für etwas Besseres halten? Ich hoffe, ich kann andere dazu bringen, ihr Geld nicht für Designertaschen auszugeben, sondern für Reisen. Und vielleicht motiviere ich ja jemanden, seinen Träumen nachzugehen, auch wenn das viel Arbeit bedeutet. Es gibt – wie immer kurz vor Neujahr – jene, die sich über die Vorsätze anderer lustig machen. Und ja, es ist nicht unbedingt zielführend, wenn man sich jedes Jahr vornimmt, nicht mehr zu rauchen und nach einer Woche schlapp macht. Ich finde es trotzdem wichtig, dass man sich Ziele setzt und versucht, diese zu erreichen. Manchmal dauert es vielleicht länger als geplant. Das heißt aber nicht, dass man nicht doch das bekommt, was man will. Man muss sich eben nur wirklich anstrengen.

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