Lisney ist aufgeregt, als wir uns treffen. Sie kommt ein bisschen zu spät, das ist ihr sichtlich unangenehm. Gleich zu Beginn sagt sie: „Ich bin nicht so hell wie auf meinen Fotos, ich hoffe, das ist kein großes Problem.“ Ich bin baff. Wie, nicht hell genug? Dann müsste es ja eine „zu dunkle“ Hautfarbe geben? Abgesehen davon, dass ich keinerlei Unterschied zu ihren Fotos auf Facebook erkenne, bin ich verwundert und ehrlich gesagt auch traurig, dass sich Lisney über so etwas Gedanken zu machen scheint. Ich weiß in diesem Moment, in welche Richtung unser Gespräch gehen wird.

Die 18-Jährige kommt ursprünglich aus Sri Lanka, mit vier Jahren ist sie nach Österreich gezogen. Sie selbst bezeichnet sich als gute Schülerin, die Interesse am politischen Geschehen hat. Ganz zugehörig fühlt sie sich Österreich aber trotzdem nicht. „ich weiß nicht, wo ich hingehöre“, erzählt Lisney. „Egal wie gut ich Deutsch spreche und egal wie lange ich hier in Österreich lebe, für manche werde ich immer die Ausländerin, die Negerin sein.“ Eine bittere Erkenntnis in jungen Jahren. Immer wieder muss sich Linsey mit rassistischen Vorfällen auseinandersetzen. Diese beginnen bei unreflektierten „Neger-Witzen“ in der Klasse und gehen weiter zu Provokation von Fremden. „Kürzlich haben sich ein paar jüngere Jungs bei der Busstation neben mich gestellt und ‚Scheiß Neger‘ gesagt“, so Lisney. Auch wenn die Schülerin solche Beleidungen nicht mehr ernst nimmt: Weh tun sie trotzdem.

Mit 16 wünscht Lisney sich nichts sehnlicher als weiß zu sein. „Please god make me white“ – immer wieder äußert sie diesen Wunsch. Daran sind sowohl die Schönheitsideale in Sri Lanka als auch die in Österreich schuld. In Sri Lanka sieht man auf Werbungen nur Frauen mit sehr heller Haut, hier kaum welche mit dunkler Hautfarbe. Dabei müsse es in Werbungen viel mehr ganz verschiedene Frauen zu sehen geben. So würden sich mehr angesprochen fühlen und sich als Teil der Gesellschaft sehen, da ist sich sie sicher. Auch ohne „Idol“, wie Lisney sagt, lernt sie sich selbst zu akzeptieren.„Ich habe begriffen, dass es in Wahrheit völlig egal ist, woher ich komme und welche Hautfarbe ich habe“, fasst sie zusammen. „Diversität ist eine tolle Sache, von der jeder Mensch profitieren kann. Manche haben das nur noch nicht verstanden.“