Es ist einer dieser Morgen, an dem ich aufwache, weil mir die Sonne ins Gesicht strahlt. Die Fenster unserer Altbauwohnung sind gefroren, ein Preis, den wir für das Gefühl, den uns diese vier Wände geben, gerne bezahlen. Ich lasse mein Handy links liegen, heute möchte ich den Tag nicht mit Instagram und Facebook starten. Stattdessen drehe ich mich um und blicke in die blauesten Auge, die ich jemals gesehen habe. Sie lächeln mich verschlafen an. Natürlich können Augen lächeln, achtet das nächste Mal darauf. Worauf es im Leben ankommt? Auf diese kleinen Momente. Das Lachen, das mir tief aus dem Bauch heraus sprudelt, sobald ich Tito im Wohnzimmer schnarchen höre. Wie kann es sein, dass ein einzelner Hund so laut schnarcht?

Immer wieder versuche ich Sekunden festzuhalten, die mir etwas bedeuten, die mich mit diesem Gefühl reiner Freude und Glück erfüllen. Ich habe Angst, ich könnte sie irgendwann vergessen. Ähnlich ist es mit meinen Kindheitserinnerungen. Aus dem Nichts poppt die Situation in meinem Kopf auf, als ich das erste Mal ganz allein aufs Klo gehe. Ich sehe die Holzwände unserer alten Wohnung vor mir, die Toilettentür kommt mir so weit weg vor. Am liebsten möchte ich nach meiner Mutter rufen, erinnere mich aber an den Mut, den sie mir zugesprochen hat. Ich weiß noch, wie stolz ich auf mich war, als ich die Spülung selbst betätigt habe. Oder als ich mir die Knie aufschürfe, weil ich auf dem Kiesweg Rad fahre, obwohl mir meine Eltern davon abgeraten haben. Damals habe ich gelernt, auf den Ratschlag von Mama und Papa zu hören. Oder als ich meinem Vater das erste Mal verkünde, dass ich Schriftstellerin werden möchte. Sind es nicht Momente wie diese, die das Leben prägen? Machen sie nicht das aus uns, was wir sind, was wir werden wollen?

Für 2017 habe ich mir vieles und nichts vorgenommen. Erfolg hat man nur dann, wenn man sich Ziele setzt. Ich hab viele Ziele und hoffe sie alle zu erreichen. Aber Druck bringt nichts, ist nur kontraproduktiv. Eins meiner mir wichtigsten Ziele ist es, mich mit guten Menschen zu umgeben, noch mehr als sonst. Nicht nur privat, auch beruflich. Umgib dich mit dem, was du sein willst. Ich möchte so viele positive Erlebnisse wie nur möglich machen. Ich möchte lachen, tanzen, im Regen stehen, einfach glücklich sein. Glücklich sein bedeutet auch, anderen zur Seite zu stehen.

Ich möchte meine eigene Geschichte schreiben, ich möchte die Protagonisten aussuchen, die in ihr mitspielen. Ich möchte Gutes tun und Menschen um mich haben, die die Welt zu einem besseren Fleckchen machen wollen. Ich brauche jene Persönlichkeiten um mich herum, die ihr Bestes tun, die ihren Beitrag leisten, die über den Tellerrand blicken und daran glauben, dass sie tatsächlich etwas bewegen können, wenn sie sich nur wirklich bemühen. Sei es in Form von hingebungsvollem Unterricht, wichtiger Aufklärungsarbeit oder in Form von Inhalten, die Menschen einander näher bringen. Für 2017 habe ich mir vorgenommen, all diese kleine und großen WeltverbessererInnen zu unterstützen und jenen meine Hilfe anzubieten, die sie brauchen. Ich möchte meine Stimme verschenken: An jeden, der sie benötigt, der sie verdient. Meine Plattform mag eine kleine sein, aber sie ist groß genug, um allen kleinen und großen Weltverbesserern Bühne zu bieten.

Aber man muss in kleinen Schritten beginnen. Deswegen verabschiede ich mich von all den unnötigen Päckchen, die ich mit mir herumschleppe, von allen Menschen, die im entferntesten Sinn Teil meines Lebens sind und doch nichts darin zu suchen haben. Das ist kein kindischer Schritt gezeichnet von Unreife. Ich glaube viel eher, das ist eine der erwachsensten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Es ist Zeit Abschied zu nehmen von all dem bewussten und unbewussten Groll, von den irrationalen Sorgen. Ich möchte mein Leben etwas Größerem widmen. Ja, das klingt größenwahnsinnig. Aber bedarf es manchmal nicht an Größenwahn, um Großes zu bewirken, um die Welt ein Stückchen besser zu machen? Ich wünschte, wir alle wären ein wenig größenwahnsinnig. Was ist größer als der Wunsch, etwas Gutes zu tun?

Geht ihr mit wachen Augen durch die Straßen Wiens, achtet ihr auf eure Mitmenschen? Oft kann man Außerordentliches in den ordentlichsten Situationen leisten. Doch wir Menschen kommen uns dumm dabei vor, das Richtige zu tun. Wie falsch das ist. Es gibt so viel, dass einen guten Menschen zu einem guten Menschen macht. Mir fällt der Jugendliche ein, der die Straßenbahntür offen hält, als er sieht, dass eine Frau sie noch zu erwischen versucht. Ich denke an eine ältere Dame, die einer Mutter beim Tragen des Kinderwagens hilft. Mir fallen all die humanitären Aktionen für Flüchtlinge ein. Kochen für Flüchtlinge. Vernissagen für Flüchtlinge. Mediennetzwerke für Flüchtlinge. In Gedanken bin ich bei all jenen, die sich während des langwierigen, zähen Wahlkampfs um ein Zusammen bemüht haben. Miteinander, nicht gegeneinander.

Freunde, wir können die Geschichten schreiben, die wir lesen wollen. Wir müssen es nur wollen.