Die gestrigen Bundespräsidentschaftswahlen haben mich ziemlich fertiggemacht. Wenn ich mich in meinem Umfeld umblicke, geht es fast allen so ähnlich. Wir alle sind schockiert, enttäuscht, wütend. In solchen von Frust geprägten Momenten kommt aber immer ein weiteres Gefühl auf: das der Solidarität. Ich kenne einen Haufen Menschen, die genauso erschüttert sind wie ich und das beruhigt mich zumindest ein wenig.

Die Reaktionen auf die Wahl folgten schnell: Mein FB-Newsfeed war voll, Whatsapp quoll über mit „what the fuck“-Nachrichten. Vorschläge, wie man die Stichwahl noch rumreißen kann. Ideen, wie man Nichtwähler bzw. Blauwähler umstimmen kann, Auswanderungspläne und eine Demo gegen Norbert Hofer, organisiert von der Plattform Offensive gegen Rechts. Am 19. Mai soll am Wiener Heldenplatz eine Kundgebung gegen ihn und die FPÖ stattfinden. Intuitiv klicke ich auf „Interessiert“ – nicht zuletzt aus dem Grund, weil ich die letzten Wochen regelmäßiger Gast auf FPÖ- oder Pegida-Veranstaltungen war und ich mich zur Abwechslung mal auf der richtigen Seite sehen möchte.

Natürlich bin auch ich gegen Rechts

Heute morgen bin ich aber ins Grübeln gekommen. Ist es wirklich so schlau, jetzt gegen Hofer und die FPÖ zu demonstrieren? Bevor ihr jetzt aufhört zu lesen und stattdessen munter in die Tasten haut, warum meine Überlegung dämlich ist und dass wir gemeinsam gegen Rechts antreten müssen – ja, ich weiß. Natürlich bin ich gegen Rechts. Natürlich möchte ich Van der Bellen als Bundespräsidenten und natürlich ist es wichtig, von seinem Demonstrationsrecht Gebrauch zu machen. So wie jeder sein Wahlrecht nutzen sollte, eh klar.

Trotzdem sollten wir zumindest kurz weiter denken: Spielen wir ihm damit nicht in die Hände? Klar, wir sprechen uns gegen Hofer und die FPÖ aus. Gleichzeitig schaffen wir so aber womöglich Protestwähler, die ganz nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“ Hofer wählen.

Wäre es nicht besser, wenn wir aufzeigen, wie wichtig es ist, Van der Bellen zu wählen, ohne einen Lagerkampf heraufzubeschwören? Also quasi für aber nicht gegen jemanden demonstrieren, indem man argumentiert, warum VdB der einzig wählbare Kandidat ist? Sollten wir nicht versuchen, einen gemeinsamen Nenner zu finden? Ich weiß, das ist gar nicht so leicht, denn ich möchte eigentlich auch nichts mit Blauwählern zu tun haben. Das bedeutet aber nicht, dass wir sie als dumm bezeichnen dürfen oder sie nicht ernst nehmen sollten. Denn Österreichs Politiker haben bisher verabsäumt, auf die Unzufriedenheit dieser Menschen einzugehen und ihr mit sachlichen Argumenten entgegenzuwirken und jetzt haben wir den Salat.

Auch auf der Plattform Offensive gegen Rechts (OgR) ist eine Diskussion entfacht, man ist sich nicht einig. Ist die Demo nun eine gute Idee? OgR argumentiert:
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Glaubt mir, mir kommt das Kotzen, wenn ich darüber nachdenke, dass wir nach Heifi einen blauen Präsidenten haben könnten. Aber durch die Demonstration gegen Hofer und die FPÖ wird Van der Bellen womöglich „ins linke Eck gerückt“ und wirkt dadurch für ehemalige Griss- und Khol-Wähler unattraktiv. Zudem muss bei der Demo nur irgendetwas passieren, das Rechte und gewisse Medien als Argument nutzen können, warum man Hofer wählen sollte.

Ich weiß es nicht

Okay, um ehrlich zu sein, ich hab‘ keine Antwort auf die Frage, ob wir kurz vor der Stichwahl gegen Hofer demonstrieren sollten. Ich bin hin- und hergerissen. Eins weiß ich aber mit Sicherheit: Wir müssen die 2,5 Millionen, die gestern nicht wählen waren, motivieren, ihre Stimme dem richtigen Kandidaten zu geben. Thomas Schmidinger hat das ganz gut zusammengefasst:

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