Die neuen Plakatkampagne von Norbert Hofer zeigt einmal mehr, wie sehr Religion von uns Menschen missbraucht wird.

Es ist soweit: Norbert Hofer präsentiert seine neue Plakatserie, hüllt sich im klassischen FPÖ-Stil in Rot-Weiß-Rot und setzt noch einen drauf: Er bringt Gott ins Spiel. „In eurem Sinne entscheiden“ bzw. „Für Österreich mit Herz und Seele“ und der klein gedruckte, aber vielbedeutende Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ machen seinen neuen Slogan aus. Wie war das nochmal, Österreich ist doch ein säkularer Staat, oder ist mir etwas entgangen? Ach, wird so manch gottesfürchtiger Hofer-Anhänger jetzt wohl sagen. So genau muss man es dann ja doch nicht nehmen, oder? Falsch. Man muss es sehr genau nehmen und das werden wir jetzt gemeinsam tun.

Denken wir kurz nach. Welche Gründe könnte FPÖ-Kandidat Hofer haben, ausgerechnet diesen Satz zu verwenden? Richtig, er hofft auf Stimmen von Kirchgängern, trotz der Tatsache, dass – laut Der Standard – im vergangenen Jahr 56.365 Personen aus der Kirche ausgetreten sind. Aber ihm reichen wohl auch jene, die zumindest ansatzweise mit der (katholischen) Kirche sympathisieren oder einfach etwas gegen den Islam haben. Der Politikwissenschaftler Peter Filzmaier analysiert für kurier.at, dass Hofer auf Wähler der ÖVP hofft, die, wie wir alle wissen, eine christlich-demokratische Partei ist.

Dass vor allem die FPÖ mit Angstmacherei und Hetze punktet und regelmäßig vor der Islamisierung Österreichs warnt, ist an Niemandem vorbeigezogen. Da kommt ein so christlich geprägter Wahlslogan ja wie gerufen. Schicke Hilfe von oben, oh gelobter Mann in den Wolken – oder so ähnlich. Falls Hofer (Gott bewahre!) tatsächlich Bundespräsident wird, möchte er diesen Spruch auch bei seiner Angelobung als Zusatz verwenden.

Herbert Kickl, freiheitlicher Generalsekretär und Manager von Hofers Wahlkampagne erklärt heute, wieso der Zusatz „So wahr mir Gott helfe“ drei Bedeutungen hat. Zum einen soll er „das starke persönliche Bewusstsein, das von einem christlich-abendländischen Wertesystem“ geprägt ist, zeigen. Der Slogan ist ein offenes Bekenntnis dafür, dass Hofer ein „im christlichen Sinne gläubiger Mensch“ sei und sich bei schwerwiegenden Entscheidungen „nicht nur auf seine subjektive Meinung“ verlässt, sondern auch auf sein „christlich-orientiertes Gewissen“ hört. Wie bitte? Was für ein christlich-orientiertes Gewissen? Religion hat in der Politik aus gutem Grund nichts verloren. Auch nicht in Ihrer Partei, Herr Hofer. Übrigens, fun fact: 2009 ist Hofer aus der katholischen Kirche ausgetreten und ist seither evangelisch.

In einer im April 2016 von den katholischen Kirchenzeitungen durchgeführten Befragung aller damaligen Präsidentschatsanwärter spricht Hofer davon, dass Kirchenvertreter gemeinsam mit den Politikern Mitverantwortliche für den Frieden seien und, dass obwohl die Trennung von Kirche und Staat „ein wichtiger Eckpfeiler sei“, beide Seiten im Gespräch sein sollten. Diesen „wichtigen Eckpfeiler“ hat er wohl kurz mal vergessen. Während Van der Bellen bei der Frage zur Flüchtlingkrise Bischöfe zitierte, nämlich, dass Asyl „heiliges Recht sei“ und die Flüchtlingshilfe der Caritas und der Pfarren als „Rückgrat der konkreten Hilfe und Integration“ sah, plädierte Hofer auf Nächstenliebe gegenüber Österreichern, „die es nicht zu überfordern“ gelte. Ist doch auch verständlich, um Gottes Willen! Es ist auch viel wichtiger, dass Österreicher bloß nicht zu viele syrische Nachbarn haben. Da können und müssen Menschen in Not eben mal warten.

Ich als Atheistin hoffe auf Widerstand religiöser Menschen in Österreich. Ich hoffe, dass Gottesfürchtige nicht kommentarlos hinnehmen, dass sich ein Politiker wie Norbert Hofer auf „Gott“ beruft. Dieser Wahlspruch ist nichts weiter als eine weitere billige Masche, an Wähler-Stimmen zu kommen. Denn wie wenig die FPÖ und ihre Anhänger mit Nächstenliebe zu tun haben, erkennt man spätestens bei den zahlreichen Hasskommentaren auf der Facebook-Seite von HC Strache. „Gott möge uns beistehen“, sollte Norbert Hofer zum Bundespräsidenten gewählt werden.