Vielleicht bin ich ja empfindlich, aber in den letzten Wochen sind mir ein paar Situationen widerfahren, die mich einfach nur frustriert haben.

1. Frauen sollen kochen

Mein kleiner Cousin P. und ich sind zu Besuch bei meinen Eltern. Mein pensionierter Vater hat gekocht, Mama kommt gerade von der Arbeit in der Fabrik nach Hause. Alles scheint super zu sein. Bis P. meinen Vater fragt: „Onkel, warum kochst du eigentlich?“ Ich werde hellhörig. „Das machen doch nur Frauen“, erklärt P. „Wie kommst du denn auf sowas?“, antwortet mein Vater lachend. Danach folgt eine mühsame Diskussion darüber, warum weder der Haushalt noch das Kochen reine Frauensache ist. Ich weiß, dass ihm meine Tante nicht gesagt hat, dass Männer nichts Zuhause machen müssen. Es reicht, dass sie es ihm täglich vorlebt. Dieser Moment hat mir einmal mehr gezeigt, dass Sexismus allgegenwärtig ist, denn auch die kleinen Sachen machen es aus. P. ist gerade einmal zehn Jahre alt, in Österreich aufgewachsen und trotzdem hat er die gleiche Meinung wie ein 50-Jähriger. Ziemlich frustrierend.

2. „Er ist ja auch der Kerl, er soll zahlen!“

Ich treffe zufällig einen Freund im siebten Bezirk, wir unterhalten uns nett. Er erwähnt, dass er meinen Blog immer wieder mal bemerkt und dass ihm aufgefallen ist, „dass ich ja dieses Frauending mache.“ Ich spare mir eine Antwort, ich weiß, dass er es nicht abwertend meint. Es ist ja auch unüblich, dass sich eine Bloggerin mit Gesellschaftskritik beschäftigt und nicht über die neuesten Trends schreibt. Ich erzähle ihm, was ich meinem Freund alles zum Geburtstag geschenkt habe. „Wow, du bist aber spendabel“, kommentiert er meine Ideen. „Danke, aber er hat mir dieses Jahr auch eine Reise nach New York geschenkt“, erkläre ich. „Na und, er ist ja auch der Kerl, soll er gefälligst zahlen“, antwortet er. Ich schaffe nicht mehr als einen kraftlosen Seufzer.

3. Hey Sexy!

U-Bahnstation Schweglerstraße, ich bin spät dran und muss mich beeilen. Ein junger Mann in meinem Alter hält mich auf: „Excuse me, but you are really sexy.“ Ich, völlig perplex, lache mein nervöses Lachen und antworte: „Ähhh, okay, thank you.“ Später ärgere ich mich über mich selbst. Wieso habe ich ihm nicht gesagt, dass es denkbar unpassend ist, eine Frau auf offener Straße anzusprechen und ihr zu sagen, dass er sie sexy findet? Er war nicht ungut, trotzdem hat mich sein Kommentar in eine unangenehme Lage versetzt. Ich bin hier vielleicht besonders empfindlich, aber von all den Komplimenten, die er mir hätte machen können, nennt er mich ausgerechnet sexy?

4. Super-Arsch im Fitnesscenter

Ich mag mein Fitnesscenter, wirklich. Die Mitarbeiter sind nett und hilfsbereit, alle grüßen sich und generell herrscht eine sehr entspannte Stimmung. Letzte Woche habe ich mich das erste Mal richtig unwohl gefühlt. Grund dafür war ein Mann, der einem Fitnesskurs zugesehen hat, den nur Frauen besucht haben. Die Mädels haben gerade geplankt, ihre Hintern haben sie also ungewollt diesem Gaffer entgegengestreckt. Der hat einen dummen Scherz gerissen, gelacht und ist weitergezogen. Wäre ich in diesem Kurs gewesen, ich hätte mich vor Wut kaum zurückhalten können. Es ist so respektlos, was sich Männer, auch wenn es vielleicht keine böse Absicht und „eh nur Spaß“ war, erlauben. Am liebsten hätte ich ihn zur Rede gestellt, aber ich war zu feige. Ich wollte nicht die Spaßbremse spielen, wie dumm von mir.

5. „Das ist aber gar nicht feministisch!“

Ich habe erfahren, dass eine junge Frau mich und mein #GRLPWR-Projekt kritisiert hat. Es sei nicht feministisch, weil ich nur hübsche Frauen fotografiere und warum denn zum Beispiel keine dicke Frau dabei sei. Das hat mich offen gestanden ziemlich gekränkt. Ich habe mir durchgerechnet, wie viele Stunden Arbeit ich pro Shooting investiere. Ich will mich jetzt nicht rechtfertigen, es sei nur so viel gesagt: Es ist echt viel Arbeit.  Ich verdiene mit der Fotoserie keinen einzigen Cent, ich tue das also wirklich nur, weil es mir eine Herzensangelegenheit ist. Umso enttäuschender ist es, dass manche Menschen Fehler in jeder noch so harmlosen Aktion suchen. Woher weiß sie zum Beispiel, dass keine „molligere“ Frau dabei sein wird? Und wer definiert überhaupt, wer schön ist und wer nicht? Klar suche ich mir Fotos aus, auf denen die Girls am besten aussehen. Es geht primär um die Message, allerdings spielt Ästhetik auch eine große Rolle. Ich versuche möglichst viel aus den Mädchen herauszukitzeln. Sie sollen sich wohlfühlen, mir vertrauen. Das hat bis jetzt immer geklappt und so entstehen – wie ich finde – sehr schöne Fotos, die viel ausstrahlen und erzählen. Feminismus schließt keine Frauen aus, die in den Augen mancher gutaussehend sind und Ausstrahlung haben. Ich verstehe schon den Ansatz, dass es falsch wäre, ein gewisses Schönheitsideal zu unterstützen. Aber wer sich meine Bilder ansieht, wird merken, dass sehr verschiedene Frauen mitmachen, die jede auf ihre Art und Weise besonders und toll sind. Es ist problematisch, dass unter Feministinnen Diskussion darüber entstehen, wer die bessere Feministin ist. Aber dazu werde ich noch einen eigenen Beitrag verfassen.