Kürzlich gab es eine Diskussion, dass der Body Positivity Trend heuchlerisch ist, weil Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal entsprechen, den Hashtag #bodypositivity nutzen und über ihr Aussehen und ihre Erfahrungen schreiben. Ich frage mich jetzt, wer da wohl die Grenze setzt: Ab wann darf jemand #bodypositive sein? Oder besser gefragt: Wann ist es erlaubt, sich selbst zu lieben und dies öffentlich zu tun? Und wieso muss man sich diese Frage überhaupt stellen?

Ich weiß, ich entspreche für viele dem gängigen Schönheitsideal. Ich habe blaue Augen, tolle Locken und ein schönes Lächeln. Ich bin sympathisch und selbstbewusst. Scheide ich damit aus, erlauben mir diese Umstände nicht, body positive zu sein?

Wann also darf ich mich selbst lieben? Wie schwer muss das Päckchen sein, das ich herumschleppe? Muss ich jahrelang von Selbstzweifeln geplagt worden sein, um nun, mit 26, meinen eigenen Körper nicht nur zu akzeptieren, sondern auch zu lieben? Muss entschieden werden, wie schlimm diese Selbstzweifel waren und wer entnimmt sich das Recht, diese Entscheidung zu treffen? Sollte es nicht um viel mehr gehen?

Zum Beispiel darum, anderen zu helfen, ihnen Mut zu machen, der Gesellschaft klar zu machen: Es geht um mehr als nur um das äußere Erscheinungsbild und ja, wir alle können uns selbst lieben, so wie wir sind. Body Shaming passiert, jeder von uns. Aber es ist mehr als nur das: Wir sind misogynen, rassistischen, diffamierenden Kommentaren ausgesetzt. Jede von uns.

Wir werden nach unserem Aussehen bewertet, nicht nach unserer Leistung. Jede von uns. Wieso glauben wir gleichzeitig, über das Körpergefühl anderer urteilen zu dürfen? Dürfen wir nicht. Nie, unter keinen Umständen. An Dreistigkeit kaum zu übertreffen, dass es manche gibt, die meinen entscheiden zu dürfen, wer „wirklich“ Teil einer enorm wichtigen Bewegung sein darf. Wir alle müssen Teil ihrer sein. Das ist doch nicht so schwer zu verstehen. Und zwar zusammen, nicht gegeneinander.