Es gibt gute Tage. Und dann gibt es Tage wie gestern.

Es ist still in der Wohnung, nicht einmal das Schnarchen meines Hundes Tito ist zu hören. Marko ist seit der Früh weg. Ich wälze mich im Bett, versuche weiterzuschlafen. Aber dafür ist es viel zu hell. Ich beschimpfe die hohen Fenster unserer Altbauwohnung. Die letzten Nächte waren scheiße. Ich bin schweißgebadet aufgewacht, mit dröhnendem Kopf und kratzigem Hals. Seit Donnerstag liege ich krank im Bett. Das bedeutet, dass ich in erster Linie schlafe, Tee trinke und mich selbst bemitleide. Und ich fühle mich einsam, ziemlich einsam.

Die Wochen davor waren turbulent. Sehr viel Girlpower, sehr viel Arbeit, sehr wenig Freizeit. Aber ist es wirklich Arbeit, wenn es einem Spaß bereitet? Ich war umgeben von ganz außergewöhnlichen und inspirierenden Menschen. Rund um die Uhr war jemand um mich herum, nachts habe ich Energie für den nächsten vollen Terminkalender geschöpft. Dann ein kurzer Städtetrip nach Paris mit acht Freunden: Auch hier ist es wieder laut und gesellig.

Mein Gegner bin ich selbst

Und jetzt, jetzt liege ich in meinem Bett, trage schmuddelige Kleidung, habe keinen Appetit und weiß nicht wohin mit mir. Ich habe viele Ideen, aber mich an den Computer zu setzen und zu schreiben, das kriege ich einfach nicht auf die Reihe. Termine für die nächsten Girlpower-Shootings ausmachen? Viel zu anstrengend. Ich quäle mich selbst mit all den Aufgaben, die ich mir vorgenommen habe und noch nicht umsetzen kann. Ich habe das Gefühl, ich liefere mir einen Marathon und mein Gegner bin ich selbst. Als wäre es nicht übel genug, dass ich keinerlei Energie habe und mich jede noch so kleine Bewegung ermüdet, quäle ich mich durch Menstruationskrämpfe und verfluche die Biologie dafür, mir diese Last auferlegt zu haben.

Foto: Marie Bleyer

 

Ich fühle mich nutzlos, finde nichts, das mich aufmuntert, nicht einmal Markos liebe Worte helfen. Die Erkältung ist schuld. PMS auch. Ich weiß, dass es mir am nächsten Tag oder spätestens dann, wenn ich vollständig gesund bin, besser gehen wird. Ich weiß auch, dass ich ein Mensch bin, der seiner Arbeit mit vollem Herzen nachgeht und seine Arbeit braucht. Dass ich zwar gerne alleine bin, aber nicht tagelang. Dass ich aktiv sein muss, um ausgeglichen zu sein. Aber an Tagen wie diesen hilft all das Bewusstsein für die Vergänglichkeit meiner Misere nichts. Ich fühle mich einfach nur schlecht. Gleichzeitig bin ich wütend auf mich. Ein bisschen Grippe da, Regelschmerzen hier und schon ist meine Laune im Keller? „Reiß dich zusammen“, ermahne ich mich selbst. Aber Schuldzuweisungen, auch wenn sie nur von mir selbst kommen, machen meine Lage nicht besser. Dieses Down muss jetzt einfach sein. In solchen Momenten wird mir klar, wie viel es bedeutet, gesund zu sein und wie schrecklich es ist, wenn man sein Leben nicht so gestalten kann, wie man es gerne möchte. Gibt der Körper nach, hat der Geist kaum eine Chance. Braucht der Körper eine Pause, gibst du sie ihm. Da kann der Geist noch so frustriert sein.

„Die Gnade des Geburtsortes“

Bin ich mir des Glücks bewusst, gesund auf die Welt gekommen zu sein, in einem sicheren Land zu leben, das meine Gesundheit nicht durch Krieg oder Hunger gefährdet? „Die Gnade des Geburtsortes“ hat der Journalist Karim El-Gawhary einmal gesagt. Viel zu selten rufe ich mir ins Gedächtnis, wie glücklich ich mich schätzen kann, gesund und munter durch die Welt gehen zu dürfen.

In meinem Bekanntenkreis gibt es eine Frau, die ich für ihre Stärke und ihre positive Einstellung zum Leben bewundere. Ich möchte nicht zu viel über sie verraten, sie wird hier auf meiner Seite noch einen ganz besonderen Platz erhalten. Diese Frau hatte bis vor Kurzem Krebs. Brustkrebs, um genau zu sein. Ihren Kampf gegen ihn hat sie mit der Online-Welt geteilt. Gestern hat sie das letzte Ergebnis erhalten: Er ist weg. Sie hat den Mistkerl besiegt. Ich kann nur schwer in Worte fassen, wie sehr ich mich für sie gefreut habe. Ich hoffe, jeder auf dieser Welt kennt dieses Gefühl der puren Freude, das man auch für Menschen empfindet, die man nur flüchtig kennt. In all meinem Glück ist mir durch ihren Facebook-Status eins klar geworden: Ja, es kann und muss auch mal schlechte Tage geben, vor allem dann, wenn der Körper nach Ruhe verlangt. Aber, selbst an richtig – entschuldigt den Ausdruck – beschissenen Tagen gibt es etwas Schönes, etwas Positives zu finden, auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist. In meinem Fall war es weitaus mehr. Es war die Nachricht, dass einer ganz besonderen Frau etwas ganz Besonderes widerfahren ist. Sie hat ihr Leben wieder zurück. Grippe, Regelschmerzen und Frust hin oder her: Mein Tag hätte nicht besser laufen können.

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