Der letzte Klick ist getan. Ich starre das Bild an und lasse die letzten Monate und all die Erinnerungen, die ich gesammelt habe, revue passieren. Ich schließe meine Augen, atme tief ein und strecke mich. „Du hast es geschafft“, ruft eine Stimme in mir. „Ist es gut genug?“, fragt die andere. Ist es. Muss es. Der Gedanke zählt. Es muss kein Meisterwerk sein, nur mit Leidenschaft passiert sein, nicht wahr? Schönheit liegt im Auge des Betrachters. Mühe liegt auf der Hand.

Alles begann vor fünf Monaten. Eine Idee ist entstanden, eine noch nicht greifbare. Ich versuche zu erklären, zu beschreiben, weiß noch nicht wie, weiß noch nicht was. Ich möchte Frauen porträtieren. Frauen aus Wien, die unsere Stadt bereichern. Frauen, die zeigen, dass wir nicht das schwache Geschlecht sind. Dass keine Schublade groß genug wäre, um in sie hineinzupassen. Dass wir nicht glattrasierte, vollbusige, schlanke, langhaarige, weiße Frauen sein müssen, wenn wir nicht wollen, wenn wir nicht können. Wie setze ich das um, wie schaffe ich die Ästhetik, die in meinem Kopf schwirrt, wie bringe ich die Message richtig rüber? Einfach losfotografieren? Nein, eine gute Idee braucht ein gutes Konzept.

„GRLPWR – support your local girl gang“ – so einfach und doch habe ich Zeit gebraucht, um Klarheit in meinem Kopf zu schaffen. Ich möchte zeigen, wie besonders Frauen sind, wie stark wir sind, wie viel wir auf die Reihe kriegen. Ich möchte meine local girl gang unterstützen. Und tatsächlich, heute nach fünf Monaten fühle ich mich wie ein Gang-Mitglied. Meine Gang besteht aus wahnsinnig inspirierenden, starken und einzigartigen Frauen und ich bin stolz, Teil dieser Bande zu sein. Es macht schnell die Runde: Ich werde von anderen auf mein Projekt angesprochen. Tolle Fotos, wichtige Message – meinen viele. „Was hast du mit den Bildern vor? Planst du eine Ausstellung?“, fragt ein anderer. Zum ersten Mal denke ich wirklich darüber nach: Macht es Sinn, eine kleine Ausstellung zu planen? Wer weiß, vielleicht. Innerlich bedanke ich mich für den Denkanstoß. Wie viele Fotos ich geplant habe, fragt eine andere. Weiß ich nicht, antworte ich ehrlicherweise. Viele – das wäre wohl die richtige Antwort. Ob ich es bei der ersten Staffel belasse? Ganz sicher nicht. Dafür gibt es noch viel zu viele Frauen da draußen.

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Dieses Foto sagt so viel aus, es strahlt Zusammenhalt und Stärke aus. Spürt ihr, wie viel von diesem Bild ausgeht? Was es in die Welt hinausruft, wofür dieses eine einzelne Bild steht? Das habe ich nicht erfunden, ich habe nur im richtigen Moment abgedrückt. 2016 habe ich viel gelernt und eine Erkenntnis habe ich 14 Frauen zu verdanken: Uns eint mehr als uns trennt. Es gibt Menschen, die dich und deine Idee unterstützen, ohne dich zwangsläufig zu kennen. Es gibt so viele da draußen, die die Welt besser machen wollen, die Wichtiges zu sagen haben. Wir müssen ihnen nur die Möglichkeit geben. Über alleinerziehende Mütter, diskriminierende Arbeitskollegen, Druck von der Gesellschaft, fatale Schönheitsideale, harte Arbeit und wieso wir Frauen uns unterstützen sollen und müssen: Diese Heldinnen haben viel zu sagen, lest euch ihre Worte durch.

Naomi, Pauline, Lara, Emina, Corina, Marie-Louise, Eva, Selina, Nozomi, Ruth, Lucienne, Julia, Parvin und Darmina: Nicht viel und doch so viel gemeinsam, viel mehr als den offensichtlichsten aller gemeinsamen Nenner, das Geschlecht. 14 Namen, die zeigen, was Vielfalt, Stärke, Schönheit bedeutet. Denn schön sie sind sie, sind wir alle. Ob ich das Beste aus ihnen herausgeholt habe? Sagen wir so: Wenn zwei Menschen Stunden miteinander verbringen, sich austauschen und im Vorhinein von der gleichen vielleicht etwas größenwahnsinnigen, aber bestimmt gut gemeinten Idee begeistert sind, wie könnten dann nicht wunderbare Porträts entstehen? Ich habe mich bei jeder einzelnen bedankt, mehrfach, aber ein einfaches Dankeschön reicht in Wirklichkeit nicht. Wie bedankt man sich bei einer Person, die an deine Idee und dich glaubt? In dem man an sie glaubt.

Für manch einen mag das alles vielleicht nichts Besonderes sein, aber für mich bedeutet es die Welt. Und wenn ich das Making Of des finalen Shootings sehe, kribbelt es im Magenbereich. Acht Personen haben sich die Mühe gemacht, um an einem Sonntagnachmittag die erste Season meiner Herzensangelegenheit zu feiern und zu verabschieden. Danke Corina, Damilola, Lucienne, Marie-Louise, Miro, Nozomi, Parvin und Zoe, ihr seid die Größten! Drei weitere Namen, die ich an dieser Stelle erwähnen muss, sonst wäre das alles nicht ganz. Danke Marko, dass du der Erste warst, der mir Mut zugesprochen und mich immer dann unterstützt hat, wenn ich nicht weiter gewusst habe. Melisa, ich wünschte jedes Mädchen hätte dich als Vorbild, du bist so eine Inspiration und eine tolle Freundin. Mariam, danke, dass du dir wieder und wieder angehört hast, was ich über GRLPWR zu erzählen habe und, dass du meine Freude geteilt hast.

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Und jetzt: Jetzt wird es Zeit, dass es Zeit wird. Wer inspiriert euch? Welche Frauen in eurem Leben haben euch zu dem gemacht, was ihr heute seid? Wer motiviert euch? Wer hat euch geprägt, euch gestärkt, euch dann unterstützt, wenn ihr Unterstützung gebraucht habt? Schreibt mir! Lasst es mich wissen! Ich bin auf der Suche nach starken Frauen, die etwas zu sagen haben, die wichtige Worte an andere Frauen da draußen richten möchten. Kommentiert auf Facebook, hinterlasst eine DM auf Instagram, schreibt mir eine Mail oder kommentiert dieses Beitrag – ihr werdet schon einen Weg finden, um mich zu kontaktieren, da bin ich mir sicher <3 Auf viele weitere spannende Geschichten und aussagekräftige Fotos und vergesst nicht: Support your local girl gang!

 

 

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