…bloß niemanden nerven. Ich weiß nicht, wieso ich so bin, aber ich habe immer Angst, ich könnte einer anderen Person Umstände bereiten. Das erschwert nicht nur den Alltag, sondern kann auch beruflich sehr mühsam sein.

So passiert es nämlich, dass ich mich für Fehler entschuldige, die ich gar nicht begangen habe. Einfach nur, weil es Komplikationen gab und mir das leid tut. Oder ich entschuldige mich für die Umstände, die ich bereite, wenn ich krankheitsbedingt einen Termin nicht wahrnehmen kann. „Das ist eigentlich so gar nicht meine Art“, habe ich vor Kurzem in einer E-Mail geschrieben und prompt eine sehr gute und wichtige Antwort erhalten: „Wünsche dir eine gute Besserung. In unserer Gesellschaft ist das so verbreitet, dass man glaubt, sich rechtfertigen zu müssen, wenn es einem schlecht geht (egal ob die Beschwerden physischer oder psychischer Natur sind). Ich schreib das, weil der Satz „das ist eigentlich gar nicht meine Art“ mich kurz irritiert hat.“ Ich bin furchtbar dankbar, dass ich das als Rückmeldung erhalten habe. Die E-Mail hat mir in gewisser Weise die Augen geöffnet. Was hatte ich damit eigentlich gemeint? Wieso sollte es nicht meine Art sein, abzusagen, wenn ich mich nicht gut fühle?

Ein Strudel aus Sorgen

Ich zerdenke die kleinsten Situationen und gehe unter in einem Strudel aus Sorgen. Ich tue mir schon schwer, FreundInnen um einen Gefallen zu bitten und versuche immer alles allein auf die Reihe zu kriegen. Immer dann, wenn ich jemanden um seine Meinung oder seinen Rat bitte, habe ich Angst, ich könnte nerven. Ich weiß nicht, woher dieses Gefühl kommt, aber ich tue mir furchtbar schwer, es abzuschütteln. Es ist für mich sogar eine Art Freundschaftsbeweis, wenn ich mich dann doch überwinde und um Hilfe bitte. Es ist so absurd wie es klingt. Es ist nämlich normal, dass man anderen von Zeit zu Zeit Umstände bereitet. Ja, es ist sogar das Normalste der Welt, würde ich behaupten.

Verfestigte Denkmuster aufzubrechen, ist schwierig. Immer wieder erwische ich mich dabei, wie ich es mir selbst besonder schwer mache, damit sich bloß niemand von mir gestört fühlt. Dabei haben mir meine FreundInnen nie zu verstehen geben, dass ich lästig bin. Ich bin mir sicher, dass ich während meiner Jugend die ein oder andere schlechte Erfahrung gesammelt habe, an die ich mich jetzt nicht mehr erinnern kann. Es braucht viel Zeit, um zu verstehen, warum wir so denken und so handeln, wie wir es tun. Ich bin auf dem Weg dorthin.

Hand in Hand mit der Herausforderung, andere um Hilfe zu bitten, geht dieser Drang, es allen Recht zu machen. Mir ist klar, dass das schlichtweg nicht möglich ist. Trotzdem verschwende ich viel Energie darauf, die Meinung anderer und ihr Wohl über mein eigenes zu stellen. Schritt für Schritt lerne ich, hinzunehmen, dass mir jemand etwas übelnehmen könnte, obwohl ich nach bestem Gewissen handle und ohne böswillige Absicht. Aber der Ehrlichkeit halber: So richtig leicht fällt mir das nicht.