Ich würde lügen, würde ich sagen, dass ich immer gerne unter Menschen bin. Reden und zuhören macht mich furchtbar müde. Egal wie liebenswert die Menschen um mich herum sind – und sie sind sehr liebenswert. Liebenswert und lustig und intelligent und schlagfertig.

Und manchmal – trotz all der Freundschaft und Freude – gehe ich in diesen Eindrücken, die ich wie ein Schwamm aufsauge, unter. Dann verabschiede ich mich ganz plötzlich und hülle mich im Taxi in Schweigen. Bloß nicht reden, bloß nicht zuhören. Wo mich bis Anfang 20 die Angst vorm Alleinsein geplagt hat, da empfange ich das Alleinsein nun mit offenen Armen.

Das hat nichts mit den Menschen um mich herum zu tun: Ich schätze sie so sehr, dass ich 100 Prozent geben möchte, wenn ich um sie herum bin. Ich möchte aufmerksam zuhören, ihnen Wertschätzung entgegenbringen und auf ihre Worte eingehen. Ich möchte laut über ihre Witze lachen und wahrnehmen, wie sich ihre Stimmlage je nach Ernsthaftigkeit des Gesprächs verändert. Ich möchte Sinnvolles in meinem Kopf zusammenspinnen und dann zu Wort bringen.

Versteht mich nicht falsch: Ich selbst suche den Dialog, finde garantiert mit jedem ein Gesprächsthema, lache viel und gern und bin grundsätzlich geselliger Natur. Aber will man jedem 100 Prozent entgegenbringen, sind irgendwann die Batterien alle. Signale, die ich früher ignoriert habe, nehme ich jetzt ernst. Keine ignoranz mehr dem eigenen Wohl gegenüber! Will der Körper Ruhe, gibst du ihm Ruhe.

Nicht zu viel vornehmen; Das bringt weder dir noch deinem Gegenüber etwas. Eine Lektion, die ich erst lernen musste. Einfach mal auf Pause drücken. Ohne die Angst, etwas zu verpassen. ohne die Angst, nein zu sagen. Ohne die Angst, man könnte in Vergessenheit geraten. Über jene, die einen vergessen könnten, sollte man ohnehin nicht nachdenken: Wollen sie dich vergessen, so werden sie das sowieso tun.


Header-Foto: Marie Bleyer // www.mariebleyer.com/