Obwohl ich mich gegen das gängige Schönheitsideal wehre, erwische ich mich manchmal dabei, wie auch ich immer fünf Kilo weniger wünsche.

Als dieses analoge Foto vor längerer Zeit entstanden ist, habe ich es nicht gepostet, weil ich mich nicht dünn genug darauf fand. Heute habe ich es zufällig wiedergefunden und kann nur den Kopf schütteln. Wie dumm meine Einstellung zu diesem Zeitpunkt war. Aber die Wahrheit ist: Manchmal geht es mir noch immer so.

Dann sehe ich meinen Körper wieder wie mein 16-jährigen Ich und reduziere ihn auf das unwichtigste Kriterium: sein Gewicht. Ich präferiere dann Fotos, auf denen ich möglichst schlank aussehe – mein Gesicht und mein Ausdruck sind mir weniger wichtig. In solchen Momenten ertappe ich mich dabei, wie ich mir fünf Kilo weniger wünsche. Es mag wie ein Widerspruch klingen – ich, die feministische Fotoprojekte startet und Frauen Mut machen möchte, sich selbst so zu lieben, wie sie sind, möchte abnehmen?

Aber ich bin mit dem selben kranken Schönheitisdeal wie wir alle aufgewachsen. Auch ich habe viel Erfahrung mit dem gesellschaftlichen Druck gesammelt, dem Frauen ausgesetzt sind und weiß von den daraus resultierenden, nie enden wollenden Selbstzweifeln. Als Mädchen hat sich eine Stimme in mein Bewusstsein gepflanzt, die mir eingetrichtert hat: Du musst nur dünn genug sein, dann erreichst du all deine Ziele. Und für dieses „dünn genug“ war ich mir lange zu dick. Das alles zuzugeben, ist hart. Ich möchte für etwas Anderes stehen. Aber Selbstliebe ist nichts, das plötzlich passiert.

Uns wird ein Leben lang suggeriert, dass wir dünn und schön sein müssen, um glücklich und gesund zu sein. Um aus diesem Denkmuster aufzubrechen, braucht es viel Mut und Selbstbewusstsein. Ich wehre mich von Jahr zu Jahr besser gegen diese Stimme, all das ist ein langatmiger Kampf. Ein Schritt vor, zwei zurück. Aber die Stimme wird mit jeder Auseinandersetzung leiser. Und irgendwann wird sie vollständig verschwunden sein. Daran glaube ich ganz fest.