Ja, ich habe wirklich mit der FPÖ sympathisiert. Rund 15 Jahre ist es her. Damals war ich gerade einmal zehn Jahre alt und hatte wohl so viel Ahnung von Politik wie die meisten RFJ-Mitglieder sie heute haben.

Ein Verwandter, den ich als Kind wegen seiner lustigen Art sehr mochte, war Parteimitglied der FPÖ. Ich mochte die Farbe Blau und die Tatsache, dass sie sich für „Österreich einsetzen“, hat mir gefallen. Der Name „Freiheitliche Partei Österreichs“ hat mich ebenfalls angesprochen. Ich dachte ernsthaft, sie kämpfen für die Freiheit aller Menschen. Keine Ahnung, was ich mir darunter vorgestellt habe. Ich gestehe, diese wenigen Punkte haben gereicht, um mich als Zehnjährige zu überzeugen. So funktioniert das wohl bei so manch anderem FPÖ-Unterstützer auch heute noch.

Wie erkläre ich einem Kind, dass die FPÖ böse ist?

Mit dieser Frage musste sich mein Vater auseinandersetzen, als er von meiner neuen Sympathie Wind bekommen hat. Er hat sich irrsinnig viel Zeit genommen, um mir mit Vorsicht und Geduld zu erklären, warum ich mich nicht so leicht überzeugen lassen sollte und weswegen die FPÖ doch nicht die richtige Partei für mich ist. „Weißt du, nur weil jemand, den du magst, eine Partei wählt, heißt das nicht, dass du das auch tun solltest oder gar musst“, begann Papa seine Erklärung damals. Er ist kläglich an dem Versuch gescheitert, seinen bestürzten Gesichtsausdruck zu überspielen. „Du musst für dich selbst entscheiden, wem du deine Stimme geben willst und darfst dich dabei von niemandem manipulieren lassen – eigentlich auch nicht von mir.“

Ich kann mich noch an seine Worte erinnern: „Du musst Dinge hinterfragen, kritisch denken und genau überlegen, ob du mit den Werten der FPÖ übereinstimmst.“ Danach hat er mir vereinfacht erklärt, wofür die FPÖ steht, welche Ansichten sie vertritt, wie krass sie polarisiert und diskriminiert.

Nach unserem Gespräch habe ich mich so unendlich für meine Dummheit geschämt. Ich konnte meinem Vater gar nicht in die Augen blicken, so peinlich war mir die Situation – obwohl er mir kein schlechtes Gewissen einreden wollte. Ich habe mich so naiv gefühlt. Das war wohl der Moment, in dem ich für mich entschieden habe, eigenständig zu denken und ohne den Einfluss anderer zu handeln. Ich habe mir vorgenommen, nicht einfach alles zu schlucken und zu glauben, was mir irgendein Politiker weismachen will. Ich habe verstanden, dass ich ein paar Sprüche und vermeintliche Fakten nicht einfach so hinnehmen kann. Ich frage mich, ob und wann dieser Moment bei FPÖ-Anhängern eintreten wird. Bei mir war es soweit, als ich zehn Jahre alt war.