Eh klar, worum es geht, oder? Jeder, der ein Tattoo hat, wird diese Frage mindestens einmal gehört haben. Ich habe mich ja innerlich auf diese Frage vorbereitet, als ich mir mit 20 meine erstes Tattoo habe machen lassen. Gut, dass ich schon damals ziemlich darauf gepfiffen habe, was andere über mich denken. Ok, ich korrigiere: Die Meinung meiner Eltern war mir schon damals sehr wichtig, deswegen hatte ich auch Sorge, dass sie mir böse sein könnten. Als ich nach meinem Termin zu Hause angekommen bin, habe ich meinen Vater gefragt: „Papa, was ist das schlimmste, das passieren könnte? Dass ich 50.000 Euro Schulden habe, dass ich mit 20 ungewollt schwanger geworden bin, eine Krankheit habe oder jemanden zusammengefahren habe?“ Mein Paps ist ein sehr einfühlsamer Mensch und war völlig erschrocken. „Im Vergleich zu diesen Horror-Momenten ist mein Tattoo doch kaum der Rede wert, oder?“ Zugegeben, es war nicht gerade nett, aber mein Plan ist aufgegangen. Meinem Vater war die Tättowierung mehr oder weniger gleich, wichtig war nur, dass ich keine Schwierigkeiten hatte.

Meine Mutter hat es auch sportlich aufgenommen, vielleicht auch deswegen, weil es sich um einen zarten Spruch am Rücken handelt, der eine nette Message enthält. Nach dem zweiten Tattoo meinte sie: „Ah, schön. Ich hab auch schon das nächste Motiv für dich: Lass dir ‚Ich bin dämlich‘ auf die Stirn schreiben.“ Haha, gut, dass sie nicht böse war und mich nur aufgezogen hat. Mein drittes Tattoo ist mini, das war ihnen total egal. Mein bisher größtes Tattoo, meinen grafisch dargestellten Hund Tito, habe ich aber ein paar Monate versteckt – bewusst und unbewusst. Keine Ahnung wieso, es ist eigentlich eh nicht wirklich groß, aber trotzdem habe ich immer Sorge, ich könnte meine Eltern traurig oder wütend machen. In Wirklichkeit ist das totaler Quatsch. Ich habe vor zwei Wochen drei neue, kleine Tattoos machen lassen. Da meine Mutter total modern ist, hat sie Instagram und die Tattoos dort schon entdeckt, bevor ich ihr davon erzählen konnte. Und siehe da, Mama gefallen sie sogar. Mein Vater hat nur den Kopf geschüttelt und wortlos hingenommen, dass er mir mit 25 nicht vorschreiben kann und will, was ich mit meinem Körper mache. Außerdem bin ich eine ziemlich brave Tochter, diese Tatsache überwiegt wohl! Ah, falls das meine geliebte große Schwester liest: Ja, ich habe ein paar neue Tattoos, die du noch nicht kennst. Ja, ich weiß, dass du Tattoos nicht leiden kannst. Bussi, hihi.

Also, sieben Stück sind es jetzt und bleiben es vorerst mal. Obwohl ich schon neue Ideen habe… Auf dem Foto unten sind bis auf eines alle zu sehen.

_DSC2238

Also, wenn meine Eltern meine Tattoos akzeptieren und unkommentiert lassen, frage ich mich doch, was sich andere denken, wenn sie mich fragen, was ich mache, wenn ich alt bin. Was soll ich denn machen, außer sie stolz herzuzeigen? Bisher bereue ich keines meiner Tattoos, aber selbst wenn eins davon jemals von mir als Jugendsünde betitelt wird, so möge es so sein. Ich werde es überleben! Im worst case gibt es ja diese schweineteure Laserentfernung. Nicht dass ich es vorhätte, I’m just saying.

_DSC2307

Tättowiert sein oder nicht tättowiert sein

…das ist hier die Frage. Es kommt mir manchmal so vor, als teile sich die Gesellschaft in Leute mit und ohne Tattoos. Ich habe zum Beispiel eine Freundin, die meine drei Pfeile, die eine sehr große Bedeutung für mich haben, wie ihr hier nachlesen könnt, als „Fischkiemen“ bezeichnet. Haha, ur lustig. Oder ein Freund, der mich gefragt hat: „Wieso tust du dir das denn an?“ – Als hätte ich den Jakobsweg ohne einen Schluck Wasser angetreten. Aber okay, meinen Freunden verzeihe ich ihre lästigen Kommentare.

Was ich aber nicht verstehe: Wieso sind Tattoos so ein großes Thema? Und warum lese ich viel zu selten diese Fragen:

  • Was macht ihr, wenn ihr alt seid und..
    …eure Zähne gelb und eklig von den vielen Zigaretten sind?
    …eure Haut schrumpelig ist, weil ihr euch nie eingeschmiert habt und in der Mittagssonne gelegen seid?
    …ihr an Diabetes und Fettleibigkeit leidet, weil ihr euch euer Leben lang von Käsekrainer und Pommes ernährt habt?
    … einsam in eurer Wohnung sitzt, weil ihr immer nur gemotzt habt und deswegen keine Freunde mehr habt?
    …eure Leber am Arsch ist, weil ihr jeden Tag Krügerl und Jägermeister in euren Rachen geschüttet habt?
    …ihr eure Birne weggekifft habt?
    …eure jahrzehntelang blondierten Haare ausgefallen sind und die Reste von eurem Kopf hängen wie alte Fetzen?
    …euch euer Facebook-Verhalten ganz furchtbar peinlich ist?

Okay, die Liste könnte unendlich lang sein. Der springende Punkt ist: Es geht mich nichts an, wie viele Marlboro-Packerl ihr am Tag raucht, ob ihr euch mit Sonnencreme einschmiert, wie viel Fett ihr zu euch nehmt, ob ihr keine Freunde habt, ob ihr eure Haare zu Tode färbt oder wie viele gehässigen Kommentare ihr schon veröffentlicht habt. Genauso wenig sollten euch meine Tattoos stören. Oder irre ich mich da etwa?

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken